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Liberté, Egalité, Fraternité - DEU
Datum: 29.10.2022, Kategorien: Betagt,
... Nichtsdestoweniger, willkommen zuhause. Und ich erlaube mir, zu Ihrer glücklichen Rückkehr nachher eine Runde meines besten Bas-Armagnac aufs Haus zu spendieren. Genießen Sie erst einmal Ihr Menü." Meine Freundinnen und ich diskutierten eine Vielzahl von Aspekten und persönlichen Erfahrungen von unseren diversen Reisen nach Paris, die sich über eine weite Zeitspanne von unseren Teenagerjahren bis in die jüngste Vergangenheit erstreckten. Plötzlich kam Carol auf den Anfang unseres Gesprächs zurück: „Was war die Story mit den gut bezahlten Gutachten?" „Wirklich ein faszinierender Fall. Ich hatte zwei Geschwister in meinem Seminar über die ‚weibliche Aktmalerei im Verlauf der Jahrhunderte'. Absolut clevere und wunderbare Studenten. Jean-Jacques studiert Kunstgeschichte und Wirtschaft an der Sorbonne und nimmt Unterricht in Malerei an der Kunsthochschule. Und seine ein Jahr jüngere Schwester Michelle hat Kunstgeschichte mit internationalem Recht kombiniert, auf der kreativen Seite ist sie eine wirklich talentierte Bildhauerin. „Ungewöhnliche Fächerkombinationen. Warum machen die beiden das?" „Weil ihr Vater Bernard Fillon ist, der weltbekannte Gallerist und Kunst-Auktionator. Seine Kinder sollen irgendwann das Geschäft übernehmen und er investiert in ihre Ausbildung." „Sehr gut, Papa!" kommentierte Amy. „Das mit Abstand wichtigste Investment in die Zukunft seiner Firma. Meinen Respekt." „Du hast absolut recht. Aber das Schöne ist, das die beiden Geschwister ...
... absolut liebenswerte Menschen sind. Kein bisschen hochnäsig oder arrogant. Weder gegenüber meiner Person als Professor noch gegenüber ihren Kommilitonen. Aber sie haben beide bereits ein brillantes Netzwerk in der aktuellen Kunstszene von Paris. Ich kann Euch berichten, dass ich einen Haufen von sehr interessanten Künstlern kennengelernt habe, jung und alt. Und ich hatte noch nie etwas von ihnen gehört oder gesehen." „Kann ich mir gut vorstellen." Im Unterton hörte ich ein wenig Eifersucht aus Carols Bemerkung. „Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass Du auf der attraktiveren Seite der Geschichtswissenschaft stehst." Ich lächelte sie verständnisvoll an. Ich wusste zu gut, dass sie einen ständigen Kampf mit der zumeist männlichen Fraktion ihrer unmittelbaren Kollegen auszufechten hatte. „Und was haben diese Geschwister jetzt mit Deinem Gutachter-Job zu tun?" „An einem Novemberabend kam Jean-Jacques am Ende des Seminars zu mir und lud mich im Namen seines Vater zu einem Besuch in sein Büro in der Galerie ein. Ich dankte ihm und fragte ihm nach dem Grund für diese Einladung." „'Das ist ein kleines Geheimnis, Frau Professor. Er wird es Ihnen selbst erklären.' war seine zurückhaltende Antwort. „Zwei Tage später bin ich dann mit dem Taxi zur Galerie gefahren und habe dort Monsieur Fillon getroffen, ein sehr charmanter Mann. Nach ein bisschen Small-Talk sind wir dann in einen Spezialraum seiner Galerie gegangen und er legte eine schematische Zeichnung vor mir aus, ...