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Majas Schleier
Datum: 28.11.2022, Kategorien: Erotische Verbindungen,
„Paul?” „Ja, der bin ich.” „Super! Komm hoch!” Es war nicht das erste Mal, dass er einen booty call erhalten hatte. Nervös war er immer gewesen, wenn er die Tür zum Treppenhaus aufdrückte. Sein Herz hatte immer heftig geklopft, wenn er Stufe um Stufe nahm. Ein bisschen Angst war immer dabei gewesen, wenn er vor der angelehnten Tür gestanden und sich gesammelt hatte, bevor er eingetreten war. Doch diesmal -- war alles noch viel heftiger. Aus dem Nichts hatte ihm Silvia eine Nachricht geschrieben. Er erinnerte sich nicht gerne an sie. Das lag nicht daran, dass sie ihn nicht interessierte, dass er sie nicht attraktiv fand. Sie hatte eine volle Figur, die sie gut zu betonen wusste, Grübchen in den Wangen und hatte immerzu gestrahlt, wenn er sie auf Parties getroffen hatte. Das letzte Mal, als sie sich über den Weg gelaufen waren, war er allerdings sehr betrunken gewesen. Sie hatten sich nach der Uni aus den Augen verloren, waren vorher schon eher flüchtig bekannt gewesen. Als er dann doch mal wieder in seiner Unistadt war und sich in seiner Lieblingskneipe aus dem Leben schoss, war sie da gewesen und hatte ihn angelächelt. Sie hatten sich unterhalten, Belanglosigkeiten ausgetauscht, waren sich immer noch sympathisch. Irgendwann ließ Silvia die Bemerkung fallen, dass sie jetzt zu ihrer Freundin gezogen ist. „Ach so?”, war sein wenig geistreicher Kommentar. Er hatte nicht gewusst, dass Silvia auf Frauen stand -- wie er eigentlich fast nichts über sie gewusst hatte, ...
... nicht einmal mit völliger Sicherheit, was sie studiert hatte. Sie hatte ihm erzählt, wie verliebt sie jetzt war und wie gut sich das anfühlte mit Maja. Wie gut die Beziehung lief. Wie schön der Sex mit ihr war. Und dann, als sie sich ans Gehen machte, fragte er sie: „Kann ich mitkommen -- zu euch?” Noch jetzt wurde ihm heiß vor Scham, wenn er sich daran erinnerte. Die üblen Klischees von Lesben, die nur nicht den richtigen Schwanz gefunden haben oder Kerlen, die unbedingt Frauen ‚umdrehen’ wollen, alles lag da. Das war nicht, was Paul sein wollte. Und er fragte sich immer wieder, warum um alles in der Welt er sich so weit hervorgewagt hatte. Silvia hatte zwar gelächtelt, aber mit Bestimmung abgelehnt und war gegangen. Das war, bis vorhin, das letzte Aufeinandertreffen der beiden. Bis zu dieser Nachricht: Sie hatte ihn gefragt, ob er in der Stadt sei. War er. Und dann, ob er Lust habe, sie und Maja zu besuchen. Maja habe nämlich noch nie etwas mit einem Mann gehabt und wollte es gerne einmal versuchen, aber nicht mit irgendeinem Arschloch oder jemanden, vor dem sie Angst haben müsste. Da hatte Silvia, schrieb sie, an ihn gedacht. Ob er sich das vorstellen könne? Er konnte. Und jetzt stand er in ihrem Flur und grüßte die beiden kurz. Silvia kam auf ihn zu. „Hey! Super, dass das geklappt hat!” „Ja, finde ich auch.” Sie suchte seinen Blick, er wich aus. „Nicht nervös sein! Hier passiert dir nichts.” Paul sah sie an, und ihr offenes, warmherziges Lächeln, das er ...