1. Artenvielfalt - Im Wartezimmer (3/12)


    Datum: 18.12.2022, Kategorien: Insel der Scham,

    3. Im Wartezimmer
    
    Das Wartezimmer war gepflegt, aufgeräumt und wie eine typische Wartezone eingerichtet. Die Stühle mit Ihren komfortablen und blau bezogenen Sitzschalen standen an den weißen Wänden nebeneinander. In der Mitte des Raumes stand ein größer ovaler Couchtisch, auf dem verschiedene Zeitschriften lagen. Bei vielen davon drehte es sich um Sport. Sabrina nahm sich eine davon und fing an, in der Zeitschrift zu blättern. In dem Moment öffnete sich die Glastür des Wartezimmers und eine der anderen Mitarbeiterinnen von der Annahme erschien im Raum. Sofort überkam Sabrina ein Gefühl von Aufregung, das sie bei Arztbesuchen immer hatte. Aber dieses Mal war es irgendwie intensiver. Von ihrer Mitte ausgehend, wie aus ihrem Herzen heraus, überrollte es in einer Welle den Rest ihrer Körpers.
    
    Es war dieser Moment, bei dem man sich fragte, ob man jetzt dran kommt; ein kurzer Moment, der einem klarmachte, dass es ab hier kein Zurück mehr gibt. Der Schreck währte nur von kurzer Dauer. Denn die Mitarbeiterin wandte sich sofort dem Mann zu, der mit seinem Handy beschäftigt war. Sie übergab ihm einen Zettel, den sie mitbrachte. „So, Herr Maurer, hier ist ihr Rezept.“ Sie hielt es dem Mann selbstsicher entgegen.
    
    „Dankeschön“, bedankte sich der Mann, stand auf und verließ mit der Mitarbeiterin das Wartezimmer, so dass jetzt nur noch die die junge Frau, Sebastian und Sabrina im Wartezimmer saßen. Sabrina schaute zu ihr hinüber. Sie war wieder mit der Zeitschrift beschäftigt. ...
    ... Dann blickte sie rüber zu Sebastian. Er schaute sie bereits an und lächelte kurz, als sich ihre Blicke trafen. „Wusste gar nicht, dass du dich auch angemeldet hattest!“ sagte er. Sabrina zögerte kurz. „Ja“, sagte sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite. Es lenkte sie ein wenig ab, dass Sebastian sie ansprach. Das Gefühl der Nervosität, das sich soeben mit dem Erscheinen der Mitarbeiterin einstellte, legte sich etwas. „Du auch hier?“ „Ja“, erwiderte Sebastian. „Mein Trainer hat es uns allen empfohlen. Heute bin ich dran.“
    
    Sabrina wusste, dass Sebastian Fußball spielte. Er war stämmig gebaut, groß, schlank und hatte dunkles Haar. Sebastian sah eigentlich ganz gut aus, dachte sie. Komisch, dass ihr das vorher nie auffallen wollte. Nie hatte sie sich wirklich für ihn interessiert. Warum eigentlich nicht, kam es ihr in den Sinn. „Mal gucken, was gleich so kommt“, fügt Sebastian hinzu.
    
    Die junge Frau mit der Zeitschrift schaute kurz auf und registrierte die Unterhaltung. Es schien, wie als wenn sie interessiert war, blieb aber still. Das kurze Gespräch mit Sebastian beruhigte Sabrina etwas. Sie schaute sich ein wenig um, registrierte ein modernes Acrylbild an der Wand und vergaß beinahe, dass sie selbst eine Zeitschrift in der Hand hielt. Wie er sich jetzt wohl fühlt, dachte sie. Ob es für Sebastian genau so unangenehm sein wird wie für sie? Sabrina war sich nicht sicher. Sebastian machte zumindest den Eindruck, dass das alles hier gar nicht so schlimm zu sein scheint. Sie ...
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