1. Kometenhaft 12


    Datum: 08.05.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    Montag 3. Juli
    
    Was mache ich hier nur? Ich meine nicht dieses Tagebuch, ich meine alles, was sich hier gerade verändert, einschließlich mir selbst. Es geht mir gut, richtig gut. Jedenfalls körperlich. Ich fühle mich voller Energie und Kraft, aber mein Verstand sagt ganz klar, dass etwas nicht stimmt. Vor allem, da ich in meinen Klamotten und meinem Bett immer mehr Haare finde. Es sind meine, kein Zweifel, aber nicht von meinem Kopf. Meine Körperbehaarung wird eindeutig immer weniger. Können das Mikroben machen? Irgendwelche Chemikalien? Strahlung? In den Nachrichten kommt noch nichts Konkretes, aber es ist klar, dass es ein weltweites Phänomen zu sein scheint.
    
    Es wird vor allem in ländlichen Gegenden von plötzlichen Todesfällen und seltsamem Verhalten berichtet. So soll es in Einzelfällen zu spontanem Sex zwischen Leuten gekommen sein, die bislang keinen Bezug zueinander hatten, und andere laufen anscheinend nur noch nackt durch die Gegend.
    
    Also hat es zumindest Mareike genau so erwischt. Wenn sie infiziert ist, bin ich es auch? Hat sie mich angesteckt? Und woher hat sie es? Was mache ich bloß? Ich kann nur auf weitere Informationen warten. Wenn wir wirklich vom Kometen infiziert wurden, dann gibt es garantiert noch kein Gegenmittel.
    
    Bis dahin bleibt mir nur übrig, wenigstens halbwegs zu meinem bisherigen Leben zurückzukehren:
    
    Wie erwartet, waren spät in der Nacht Andrea und Frank in die WG zurückgekehrt, haben sich aber gleich in Andreas(!) Bett gelegt und ...
    ... ... Geräusche gemacht.
    
    Diesmal machte es mir nichts mehr aus, und ich konnte mich wirklich für die beiden freuen. Schließlich lag neben mir im Bett ein hübsches Mädchen, mit dem ich kurz davor (wieder) Sex hatte.
    
    Ja, schon wieder und ja, es muss Mareike gewesen sein.
    
    Ich war gestern Abend schon recht müde und ging, ohne mir was dabei zu denken, ins Bett, bis mich ein kleines Geräusch auffahren ließ. Mareike! Ich hatte sie ganz vergessen. Sie saß wirklich den ganzen Tag stillschweigend in meinem Zimmer auf dem Boden und sah mich jetzt fragend an. Die kühle Nachtluft, die durchs Fenster hereinzog, ließ sie schon ein wenig zittern. "Mareike! Was machst du noch hier?", blitzte ich sie an. "Ich ... wieso? Wo soll ich sein?". Sie war definitiv verwirrter als ich.
    
    "Na, in deinem Zimmer.", stellte ich fest.
    
    "Was soll ich da?", es war, als würde sie es wirklich nicht verstehen.
    
    "Schlafen. Oder was auch immer du da drin gemacht hast.". Eine Pause entstand, in der Mareike ihren Kopf senkte und verlegen antwortete: "Kann ich hier schlafen?".
    
    Ich war zu müde, um noch irgendwie zu argumentieren, hob meine Decke einladend an und seufzte ihr ein "Von mir aus." entgegen. Aber nicht einmal diese Geste schien sie richtig zu verstehen. Sie legte sich einfach auf den Boden und schloss die Augen. "Spinnst du? Du holst dir den Tod!", fauchte ich sie an. "Komm hier ins Bett!", kommandierte ich sie. Sie sprang auf wie ein kleines Kind und strahlte mich an: "Darf ich wirklich?", und ...
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