1. Das Refugium - Complete 000 - 015


    Datum: 22.11.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... die leiter auf, stieg auf die oberste Spreosse, und löste die Befestigungen des Spiegels. Er nahm den leeren alten Rahmen von der Wand, und hob den schweren neuen Spiegel an seine Stelle. Dann begann er, den Rahmen mit der Wand zu verschrauben.
    
    „Leihst Du mir einen Deiner Arbeitshandschuhe?", fragte Marianne, und blickte ihn neckisch von unten an.
    
    „Greif zu", erlaubte er es ihr, ohne groß darüber nachzudenken, wofür sie ihn brauchte.
    
    Langsam, fast genießerisch ließ sie ihre Hände über seine Oberschenkel und seinen Hintern gleiten, zog einen der Lederhandschuhe aus seiner Gesäßtasche, und zog ihn sich über die rechte Hand.
    
    Manfred konzentrierte sich auf die letzten Handgriffe, testete noch einmal, ob der Spiegel auch fest und gerade an seinem Platz saß, und war sichtlich mit seiner Arbeit zufrieden. Er fasste die Stehleiter mit beiden Händen, und stieg herunter.
    
    Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung wahr, spürte instinktiv Gefahr, und fuhr herum. Aber er war nicht schnell genug. Wie eine Pantherkatze kam Marianne angeflogen, in der lederbehandschuhten Faust hielt sie eine lange, spitze Glasscherbe. Dann explodierte auch schon sein Rücken in grellem Schmerz, er ließ die Leiter los und taumelte rückwärts. Mitten in der Bewegung erwischte ihn ein Kick in die Kniekehlen, und er ging schwer zu Boden. Er wollte sich aufrappeln, aber seine rechte Seite war völlig gelähmt, und ächzend fiel er wieder zurück.
    
    „Es tut mir leid", hörte er Marianne sagen, und in ...
    ... ihrer Stimme klang vielleicht tatsächlich so etwas wie Traurigkeit mit, „aber Sandy ist mir wichtiger als Du." Manfred drehte den Kopf zu ihr, und sah gerade noch ihren Fuß auf sich zufliegen, dann wurde es schwarz um ihn.
    
    Marianne blickte auf Manfreds verkrümmten Körper herunter. Unter seinem Rücken bildete sich schnell eine rote Blutlache. „Sorry, mein Großer", sagte sie, „aber ich hatte keine Wahl. Wenn Du alles wüsstest, würdest Du mich vielleicht verstehen." Dann straffte sie sich und schluckte das Bedauern hinunter, in dieser Welt war kein Platz für Sentimentalitäten mehr.
    
    Jetzt musste Marianne schnell sein. Sie schnappte sich Manfreds Controller, und entsperrte ihn mit einem Druck seines Daumens. Immer wieder hatte sie die Hilfetexte zur Berechtigungsvergabe durchgelesen und sich die einzelnen Schritte genau eingeprägt. Sie startete die Stations-App, wechselte in den Sicherheits-Kontext, rief die Administratorengruppe auf, und fügte ihren eigenen Controller hinzu. Damit hatte sie das Recht, sich selbst beliebige Rechte zuzuweisen, und die Station stand ihr damit uneingeschränkt zur Verfügung.
    
    Wenige Sekunden später begann sich Mariannes Controller mit Icons zu füllen, die sie noch nie gesehen hatte, und sie atmete erleichtert aus. Es hatte geklappt, sie war im System. Ein Versuch, Manfreds Controller aus dem System zu entfernen scheiterte allerdings, der Controller des CTO war als Einziger speziell gesichert und nicht so leicht los zu werden. Marianne zuckte mit ...
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