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Das Märchen von Marleen
Datum: 06.08.2024, Kategorien: Erotische Verbindungen,
- 1 - Marleen schaute sich in dem kleinen, engen Hotelzimmer um. Sie stellte ihre Tasche ab und setzte sich auf das Bett. Sollte es das nun gewesen sein? Mit 31 Jahren wieder ganz am Anfang? Kein Geld, kein Mann, kein Nichts... Marleen starrte aus dem Fenster, auf die Menschen, die unten auf dem Gehweg vor sich hin hasteten. Alleine oder zu zweit, auf dem Weg irgendwohin. Wohin würde ihr Weg führen? Hatte sie überhaupt einen in Aussicht? Bei Nacht und Nebel war er verschwunden. Erst Monate später hatte sie herausgefunden, dass er mit einer 21 Jahre jungen Blondine angeblich gen Venezuela abgehauen war. Und sie saß da, mit den Trümmern seines Geschäfts, dieser Luftblase dieses selbstverliebten Blenders. Der Blender, der sie selbst ja auch jahrelang hinters Licht geführt hatte. Den sie einmal geliebt hatte. Wie hatte sie nur ihren Namen hergeben können, sich ihm so ausliefern... Marleen schüttelte den Kopf. Es war zu spät. Sie saß auf einem Berg von Schulden, es war alles weg, sie besaß noch, was sie in der Tasche mit sich herumtrug. Hier, in der Stadt, wollte sie Tina treffen, die einzige ihrer alten Freundinnen, die ihr noch geblieben war. Denn er mochte sie ja alle nicht, ihre Freundinnen. Wie er alles nicht mochte, was sie eine Sekunde lang von ihm ablenken könnte. Tina arbeitete heute in der Spätschicht, sie war bei einem edlen Hotel beschäftigt. Als Marleen in die Empfangshalle kam, schluckte sie und musste die aufsteigenden Tränen bekämpfen, ehe sie sich an ...
... den Portier wenden konnte. Sie würde so bald nicht mehr in ein solches Hotel gehen können. Wie oft waren sie damals... Marleen biss sich auf die Zunge und marschierte zum Portier. Tina arbeitete noch etwas länger, der Portier wusste Bescheid, sie solle sich einfach in die Bar setzen, Tina würde sie da abholen. Marleen ging in die Bar, die so spät fast leer war. Am Ende des Tresens saß eine Frau, in etwa in ihrem Alter, und trank eine giftiggrüne Flüssigkeit aus einem hohen Stielglas. Außer ihr waren noch drei Männer in der Bar, die alle an ihrem eigenen Tisch saßen und gelangweilt in einer Zeitung blätterten. Sie setzte sich an einen Tisch ganz am Rand und wartete auf Tina. "Bitte..." Marleen schreckte aus ihren Gedanken auf. Einer der Männer stand vor ihr und hatte sie angesprochen. Marleen hatte kein Wort mitbekommen. "Dürfte ich mich zu ihnen setzen?" "Ja, äh, warum... bitte", stammelte Marleen und wachte nun erst aus ihrem sinnieren auf. Der Mann setzte sich ihr gegenüber und stellte eines der zwei Gläser, die er mitgebracht hatte, vor ihr ab. "Darf ich sie einladen?" Marleen spürte, wie sie hektisch wurde und ihre Temperatur anstieg. Sie verfluchte sich, so in aller Öffentlichkeit geträumt zu haben und sie verfluchte die Tatsache, dass sie beim geringsten Anlass tief rot anlief -- so wie ganz gewiss jetzt. Und was wollte der Mann von ihr? Er war sicher fast doppelt so alt wie sie! Sie bekam kein Wort heraus, zu ihrem Ärger. Der Mann lächelte sie an und nahm Platz ...