Der Wettbewerb - Folge 01 - Gondolin
Datum: 02.04.2025,
Kategorien:
Nicht festgelegt,
20.000 EUR
Soviel versprach das Plakat an der kleinen privaten Anzeigetafel im Aldi um die Ecke.
20.000 EUR für „wenige Stunden Arbeit in einer speziellen Angelegenheit" stand darunter. Dann eine E-Mail-Adresse, kein Name, keine Nummer.
Sie wusste beinahe, dass es eine saudumme Idee war, aber 20.000 EUR?
Schon die Hälfte hätte ihr gereicht um ihr aktuelles Dilemma beenden zu können. Sie hatte durch bloße Dummheit und Leichtgläubigkeit diesen Berg Schulden angehäuft und keine Chance ihn jemals abzuarbeiten.
Die Personen denen sie das Geld schuldete hatten ihr kompromisslos 10% Zinsen im Monat auferlegt und nicht einmal die war sie imstande zu bezahlen. Die Behörden würden ihr nicht weiterhelfen können, dafür hatte sie sich selbst zu weit ins Abseits gestellt.
Am Anfang klang ja alles super einfach und verblüffend leicht. Sie sollte mit einer zweiten Frau einen bestimmten Herrn überfallen, niederschlagen, entführen und in einen vorgegebenen Unterschlupf bringen. Wenn sie ihn dort zum Plaudern brachte -- irgendwas mit einem Handy-Code, winkten 50.000 EUR, bar, schwarz, ohne Fragen zu stellen.
Sie war nie ein Kind von Traurigkeit gewesen und hatte ihren Freunden bisher immer blind vertraut und daher auch hier ihre Bereitschaft angekündigt. Eine Entführung, minimale Gewalt, zum Reden hätte sie ihn schon gebracht, sie hatte schon ganz anderen Herren die Kreditkartennummer aus den Rippen geleiert, und dann viel viel viel viel Geld. Nichts leichter als ...
... das.
Leider war das Ganze von vorne bis hinten schief gegangen. Das Entführungsopfer hatte sich nach einer halben Stunde von den Fesseln befreit und hatte versucht sie und ihre Kollegin im Fluchtfahrzeug -- einem VW Passat -- zu überwältigen. Er war dann geflohen und davongelaufen.
Im Zuge des ganzen Chaos hatte sie den Wagen gegen einen Fahrbahnteiler gefahren und auf das Dach gekippt. Der nachfolgende LKW war etwas überrascht von der Situation und hatte den Passat wie einen Kreisel beschleunigt und in den Straßengraben geschoben.
Schuld an dem Dilemma war ihre Kollegin die offenbar zu dumm war jemanden vernünftig zu fesseln und -- nachdem sie sich aus dem Auto befreit hatten -- nicht dem Opfer nachgelaufen, sondern in die entgegengesetzte Richtung verschwunden war.
Sie waren beide ohne Verletzungen davongekommen, das Fahrzeug war aber demoliert. Und das war es auch was ihre Auftraggeber jetzt ersetzt haben wollten. Sie war eigentlich gar nicht so schlecht davongekommen, weil es wirklich nur um das kaputte Auto ging und nicht um die verbockte Entführung -- kurz nach dem Malheur hatte sie mit viel schlimmeren Konsequenzen gerechnet.
Mit ihrem Job als Friseurin waren 1000,- EUR im Monat an Zinsen und die Gesamtsumme im Hintergrund einfach nicht machbar. Corona hatte auch nicht für einen regen Zulauf an Kunden gesorgt. Sie war auch ohne dieses Dilemma beinahe pleite.
Eine Freundin hatte ihr geraten in den Abendstunden reiche Herren zu begleiten -- hübsch und schlank wie ...