1. Augen-Blicke


    Datum: 04.02.2026, Kategorien: BDSM

    Seit Jahren schon stand ich morgens kurz nach sieben Uhr an der Haltestelle. Es musste so früh sein. Der Bus könnte Verspätung haben oder sogar ausfallen. Ich würde auf jeden Fall rechtzeitig um acht Uhr nach halbstündiger Fahrt in meinem Büro als Immobilienmakler ankommen.
    
    Selbstredend kannte ich mit der Zeit vom Sehen alle regelmäßigen Fahrgäste. Mit einigen hatte ich sogar gelegentlich einige Worte gewechselt. Das passierte meist am Endpunkt meiner Fahrt.
    
    Seit einiger Zeit gesellte sich ein neues Gesicht zu den Wartenden. Genauer gesagt war es nicht ein Gesicht. Es waren die Augen einer Frau, die mich sofort fesselten. Deren Farbe lag irgendwie zwischen grau und grün. Umrahmt waren sie von feinen dunklen Augenbrauen.
    
    Von diesen Augen ging ein geradezu unheimliches Strahlen aus. Sie verbreiteten ein Leuchten, das mich wie der Lichtstreif eines Leuchtturms zu umschwirren schien und mich irgendwie fesselte wie ein gekonnt geworfenes Lasso.
    
    Wie lange ich beim ersten Mal nur auf diese Augen geschaut hatte, weiß ich nicht. Mich verfolgten die Blicke dieser Person sogar während der Fahrt. Später meinte ich sogar, von diesen Augen verfolgt zu werden, selbst wenn die Unbekannte gar nicht anwesend war.
    
    Erst mit der Zeit fand ich die Ruhe, meine Mitfahrerin näher zu betrachten. Sie hatte ein hübsches rundliches Gesicht, das von halblangen, etwas strubbeligen brünetten Haaren umspielt wurde. Ihre Lippen waren leicht getönt. Der Gesichtsausdruck wirkte wegen der ...
    ... scharfen Kontur des Unterkiefers sehr bestimmend.
    
    Die Figur der Unbekannten war weiblich mit ausgeprägten Hüften. Arme und Beine schienen mir ein wenig zu kräftig für ihre ansonsten schlanke Gestalt. Dafür zeigte sie eine nicht zu unterschätzende Oberweite, die sie allerdings meist unter weiten Blusen und Kleidern verbarg.
    
    Als die Kleidung im Sommer leichter und luftiger wurde, konnte man sehen, dass meine Unbekannte den rechten Arm bis zur Schulter mit allerlei fremdartigen Fantasiegestalten tätowiert hatte. Auch der Bereich unterhalb des Halses war mit verschnörkelten Linien versehen.
    
    Es mochte ein viertel Jahr vergangen sein, seitdem die Frau in mein Gesichtsfeld gekommen war. Obwohl wir eine ganze halbe Stunde gemeinsam im Bus verbrachten, blieb es bei einem Blickkontakt.
    
    Es geschah an einem Mittwoch. Da führte uns ein Missgeschick zusammen. Meine Tasche hatte ein Loch. Gerade war ich ausgestiegen, da fiel mein geliebter Mont-Blanc-Stift zu Boden. Die Unbekannte hatte es sofort erfasst, hob das gute Stück auf und reichte es mir mit einem breiten Lächeln und dem Strahlen ihrer Augen. Es entwickelte sich ein kurzer Dialog. Das Eis war gebrochen. Wir verabredeten uns nach der Arbeit noch auf einen Cocktail in eine nahe gelegene Bar. Von da ab hatten wir regelmäßig Kontakt. Madeleine war in mein Leben getreten.
    
    Was allerdings blieb, war dieses merkwürdige Gefühl, wenn ich in ihre Augen schaute. Es machte mich unsicher, zuweilen sogar hilflos. Ich meinte, ihr ...
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