1. Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin


    Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... aber dennoch total fremd, distanziert, fast spöttisch. "Warum tust du es jetzt? Das Reden darüber ist wohl viel schlimmer, als es mit ihm zu tun, nicht wahr?"
    
    Die Worte waren wie scharfe Messer, die sich alle ins Herz von Fatma pflanzten. Jedes Wort ein Stich, der ihre Seele zerschnitt. Die Freundlichkeit in seinem Ton machte es nur noch schlimmer, eine bösartige Ironie, die ihre Schuld und ihren Schmerz vervielfachte. Er sah sie nicht als seine Frau, die einen Fehler gemacht hatte und Reue empfand. Er sah sie als eine Verräterin, als jemanden, der moralisch verkommen war. Ihr Körper zitterte unter dem Gewicht dieser Grausamkeit. Es war eine Bestrafung, die tiefer ging als jede körperliche Züchtigung.
    
    Das Verschwinden
    
    Dann stand Bülent auf. Langsam, methodisch, als würde er sich von einem unwichtigen Objekt abwenden. Er sah Fatma noch einmal an, sein Blick war immer noch kalt und unversöhnlich. "Ich werde mich melden", sagte er, seine Stimme war kühl und gefasst, ohne jede Emotion. Dann drehte er sich um und ging hinaus, ließ Fatma allein zurück, zitternd und in Tränen aufgelöst.
    
    Fatma war noch so fertig, so gelähmt von dem Schock und dem Schmerz seiner Worte, dass sie ihm nicht gleich folgen konnte. Ihre Beine gehorchten ihr nicht, ihre Lungen weigerten sich, genug Luft aufzunehmen. Sie sank auf den Stuhl, wo Bülent eben noch gesessen hatte, ihre Hände vor ihr Gesicht gepresst, als wollte sie die grausamen Bilder und Worte aus ihrem Kopf verbannen.
    
    Als sie ...
    ... es dann schaffte, sich aufzurappeln, ihre Tränen wegzuwischen und ihm nachzufolgen, konnte sie ihn nirgends finden. Das Haus war leer, abgesehen von den Geräuschen der Kinder aus ihren Zimmern. Er war weg. Einfach weg. Ihr Herz sank noch tiefer in ihre Brust. Panik stieg in ihr auf. Wohin war er gegangen? Was würde jetzt passieren?
    
    Sie eilte zu Melissas Zimmer. Ihre Tochter saß auf dem Bett, ihr Gesicht vergraben in einem Kuscheltier, leise schluchzend. "Melissa? Was ist los, Canım?", fragte Fatma, ihre eigene Stimme noch zitternd.
    
    Melissa hob den Kopf, ihre Augen waren rot und verquollen. "Baba... Baba hat mich geküsst", schluchzte sie. "Er hat gesagt, ich soll mir keine Sorgen machen und er meldet sich bald bei mir." Ihre Stimme brach. "Dann... dann ist er einfach wieder gegangen."
    
    Melissa spürte, dass da etwas sehr Arges los war. Die plötzliche Abschiedsszene ihres Vaters, seine Ernsthaftigkeit, Fatmas offensichtliche Verzweiflung - all das überforderte sie. Sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten und fragte immer nur, immer wieder, ihre kleine Stimme voller Verzweiflung: "Wo ist mein Vater? Wo ist Baba?"
    
    Fatma war so durcheinander, so verzweifelt. Sie wusste nicht, was sie machen sollte. Sie konnte ihrer Tochter keine Antwort geben, die sie selbst nicht kannte. Ihr Kopf dröhnte, ihre Gedanken überschlugen sich. Die kalten Worte Bülents hallten in ihren Ohren wider. Was hatte sie nur getan?
    
    In ihrer Verzweiflung griff sie nach ihrem Handy, ihre Finger ...
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