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Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin
Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,
... prall gefüllten Sporttasche zu und verließ das Haus, nicht wissend, wohin er gehen sollte, wo er unterkommen konnte. Ein tröstlicher Hafen im Sturm Bülent fuhr ohne Ziel durch die Gegend. Die Wut kochte immer noch in ihm, mischte sich mit einer tiefen, schneidenden Trauer. Doch nach einer Weile, in dem Maße, wie die rohe Wut etwas abebbte und die Vernunft langsam wieder die Oberhand gewann, merkte man, dass er wusste, wohin er fahren wollte. Er steuerte den Wagen zum Öjendorfer See, einem Ort in Hamburg, der für ihn und Fatma immer eine besondere Bedeutung gehabt hatte. Der Parkplatz am See bot einen wunderschönen Blick auf das Wasser. Die Enten und Schwäne schwammen ruhig auf der Oberfläche, ungestört von Spaziergängern, Kindern und Hunden, die zu dieser späten Stunde kaum noch zu sehen waren. Der Sonnenuntergang tauchte den Himmel in leuchtende Farben, Orange, Rot und Lila, die sich auf dem Wasser spiegelten und einen scheinbar romantischen Ausblick schufen. Doch weder Bülent noch Tülay hatten in diesem Moment einen Sinn für die Schönheit der Natur. Ihre Seelen waren zu aufgewühlt, zu zerrissen, um die idyllische Szenerie wahrzunehmen. Sie saßen im Auto, die Stille war erfüllt von unausgesprochenem Schmerz. Dann begann Bülent zu erzählen. Seine Stimme war leise, aber fest. Er erzählte Tülay, dass er und Fatma oft hier gewesen waren. "Wir saßen im Auto", sagte er, seine Stimme verriet einen Anflug von Nostalgie und dann tiefe Trauer, "und wir haben geschmust ...
... und den Blick gemeinsam genossen." Die Erinnerung an diese gemeinsamen, intimen Momente mit Fatma schmerzte ihn jetzt, ein Stich des Verrats, der diese schönen Erinnerungen zu vergiften schien. Tülay legte ihre Hand auf Bülents Arm, eine Geste der Beruhigung, ein stilles Zeichen ihrer Verbundenheit in diesem Moment des gemeinsamen Leidens. Es war die stille Bestätigung, dass sie hier war, an seiner Seite, nicht gegen ihn. Ihre Blicke trafen sich, tief, sehr tief. Jeder, der nicht wusste, was vorgefallen war, hätte behauptet, dass sie sich liebten. Und es war Liebe, reine Liebe, aber eine freundschaftliche oder eher eine Geschwisterliebe, die in diesem Moment des Schmerzes zu einem unerschütterlichen Band wurde. Sie waren durch den Verrat ihrer Partner zusammengeschweißt worden, in einem schweigenden Verständnis, das tiefer ging als Worte. Sie saßen dort, keiner wusste, wie lange sie dort saßen. Die Zeit schien sich aufzulösen, während sie in ihren Schmerz eintauchten und ihn gemeinsam ertrugen. Trost in der Dunkelheit Irgendwann, als die Dunkelheit vollständig über den See hereingebrochen war und die Sterne am Himmel funkelten, fuhr Bülent zum nahegelegenen Imbiss. Er kam mit zwei Portionen Pommes und zwei Apfelstrudeln zurück. Ein seltsamer, tröstlicher Akt inmitten des Chaos ihrer Emotionen. Sie aßen schweigend, die einfachen Speisen boten einen Hauch von Normalität in einer zutiefst abnormalen Situation. Der Geschmack von Salz und Süße war ein kleiner Anker in der ...