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Jeder geht sein Weg
Datum: 06.05.2026, Kategorien: Sonstige,
... Handans Worten zusammen. Sie liebte ihre Schwester über alles und konnte ihren Schmerz förmlich spüren. Doch sie wusste nicht, was sie ihr raten sollte. Was sagte man jemandem, dessen Partner die emotionale Dimension der Intimität so vollständig ignorierte? Nach langem Nachdenken, und vorsichtig abwägend, ob dies eine Lösung sein könnte, fragte Funda zögernd: "Habt ihr vielleicht mal über eine Paarberatung nachgedacht? Ein neutraler Dritter könnte euch helfen, miteinander zu reden." Handans Reaktion war abrupt. Sie schüttelte den Kopf, ihre Augen verdunkelten sich. "Nein! Auf keinen Fall! Für Rolf wäre das ein Eingeständnis, dass er etwas nicht hinbekommt." Handans Worte waren erfüllt von der tiefen Kenntnis ihres Mannes. Rolfs Stolz war unermesslich, und die Vorstellung, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, würde er als persönliche Niederlage empfinden. Er würde es als ein Zeichen seiner Unfähigkeit werten, und das würde er niemals zulassen. Für Handan war klar, dass ein solcher Vorschlag die Situation nur noch schlimmer machen würde, möglicherweise sogar einen unüberwindbaren Graben zwischen ihnen schaffen könnte. Die Hoffnungslosigkeit in ihrer Stimme war spürbar. Funda überlegte weiter. Sie dachte an Ali, an seine Empathie und sein Verständnis. Er war so anders als Rolf, so viel feinfühliger. Vielleicht könnte er... "Soll ich mal mit Ali darüber reden?", fragte Funda vorsichtig, fast schon flehend. Vielleicht könnte Ali, als Mann, Rolf anders ...
... erreichen, ihm die Situation aus einer anderen Perspektive näherbringen. Doch auch diesen Vorschlag lehnte Handan sofort ab, noch entschiedener als den ersten. "Nein, das auf keinen Fall! Rolf war schon immer etwas eifersüchtig auf Ali." Ein eisiger Schauer lief Funda über den Rücken. Die unterschwellige Eifersucht Rolfs auf Ali war etwas, das sie beide kannten, aber nie offen ansprachen. Rolf schätzte Ali als Freund, ja, aber er spürte wohl instinktiv, dass Ali in manchen Bereichen - besonders in der Art, wie er Funda behandelte - eine Art Ideal verkörperte, dem er nicht entsprach. Handan wusste, dass das Ansprechen dieses intimen Problems durch Ali eine Katastrophe wäre. "Wenn er ihn ansprechen sollte, ist der Teufel los", warnte Handan. Die Konsequenzen wären unvorhersehbar, aber gewiss verheerend für die fragile Beziehung zwischen den beiden Männern und letztlich auch für das Gefüge der vier Freunde. Handans Angst war spürbar. Sie war gefangen zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der Furcht vor den möglichen Reaktionen Rolfs. Handan seufzte tief. "Es tut mir einfach gut, mit dir darüber reden zu können, Funda. Das ist schon eine große Hilfe." In diesen Worten lag eine tiefe Melancholie. Sie wusste, dass Funda ihr keine Patentlösung bieten konnte, aber die Möglichkeit, ihre Last zu teilen, war in diesen dunklen Zeiten ein Lichtblick. Das Gespräch mit Funda war ihr Ventil, ein sicherer Hafen, in dem sie ihre verletzte Seele offenbaren konnte, ohne Verurteilung fürchten ...