1. Sonja, Frei unter nackten Sohlen Teil 1


    Datum: 01.06.2026, Kategorien: CMNF

    Erster Teil: "Unter dem Pflaster – ein neuer Morgen"
    
    Die Sommerhitze legte sich wie ein flirrender Schleier über die Straßen Wiens. Es war einer dieser Tage, an denen der Asphalt glühte und die Schatten der alten Gebäude wie rettende Inseln wirkten. Sonja saß auf einer Bank nahe dem Stadtpark, die Füße nackt, die Sohlen staubig vom Gehen. Sie trug ein schlichtes Sommerkleid, das schon bessere Tage gesehen hatte. Ihr Blick war leer, aber nicht gebrochen – in ihren Augen funkelte noch ein Rest Trotz.
    
    Seit dem Unfall waren sechs Monate vergangen. Ihre Eltern, beide tot. Das kleine gemeinsame Leben, ausgelöscht mit einem quietschenden Reifen und einem dumpfen Aufprall. Die Wohnung hatten entfernte Verwandte an sich gerissen, das bisschen Erspartes war verschwunden. Niemand hatte sich gekümmert. Und so war sie geblieben, auf der Straße, unsichtbar für die meisten.
    
    An diesem Nachmittag beobachtete sie die Passanten. Menschen in feiner Kleidung, mit Einkaufstüten, lachend, eilig – als lebten sie in einer anderen Welt. Sie fühlte sich wie eine Figur aus einem anderen Film, falsch hineingeschnitten.
    
    "Entschuldige… geht’s dir gut?"
    
    Die Stimme kam ruhig, warm, nicht mitleidig. Sie sah auf. Ein Mann stand vor ihr, Anfang 30, gut gekleidet, aber unaufdringlich. Dunkelblondes Haar, leicht verwuschelt, ein feines Lächeln.
    
    "Du wirkst, als könntest du was Kaltes zu trinken brauchen."
    
    Sie zögerte. Ihre Stimme war rau, fast heiser vom Schweigen:
    
    "Ich hab nichts ...
    ... genommen. Falls du das denkst."
    
    "Hab ich nicht", sagte er und ließ sich auf der Bank nieder, mit einigem Abstand. "Ich bin Daniel."
    
    Sie schwieg. Dann:
    
    "Sonja."
    
    Er reichte ihr eine Wasserflasche, die er in der Hand hielt. Frisch gekauft, noch versiegelt.
    
    "Trink. Keine Bedingungen."
    
    Sie trank, langsam. Das Wasser war kalt und schmeckte wie Erlösung.
    
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    Zweiter Teil: Vertrauen
    
    Die Begegnung mit Daniel war keine dieser plötzlichen, dramatischen Wendungen. Er war kein Ritter, und sie war keine Jungfrau in Not. Aber er kam wieder – am nächsten Tag, und am übernächsten. Manchmal brachte er frisches Obst mit, manchmal einfach nur ein ruhiges Gespräch. Nie fragte er sie aus. Nie rückte er zu nah.
    
    Einmal, als der Regen kam, bot er ihr an, sie in seine Wohnung mitzunehmen – nur für eine Nacht, um trocken zu schlafen. Sie hatte gezögert, misstrauisch, wie sie es sein musste. Doch irgendetwas in seinem Blick, in seiner Geduld, ließ sie Ja sagen.
    
    Die Wohnung war am Rand von Mariahilf. Altbau, hohe Decken, Bücherregale. Kein Luxus, aber ein Zuhause. Er gab ihr Handtücher, Kleidung – ein viel zu weites T-Shirt, das ihr bis über die Schenkel reichte. Sie trat barfuß durch die Wohnung, langsam, als müsste sie sich vergewissern, dass sie noch in der realen Welt war.
    
    Als sie aus dem Bad kam, nur in dem T-Shirt, tropfte ihr Haar noch. Sie war barfuß, die Haut blass gegen das dunkle Parkett. Daniel saß auf dem Sofa, den Blick diskret abgewandt.
    
    "Ich weiß nicht, wann ...
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