-
Planet der Scharfen 18
Datum: 17.06.2026, Kategorien: Sci-Fi & Fantasy,
... schlagen die Männer nur Frauen vor, mit denen sie einen exzellenten Fick hatten.» Paul widerspricht: «Bei den Vorschlägen denken wir das nicht. Da scheinen echte Verdienste eine grössere Rolle zu spielen, aber die Beschlüsse sind immer einstimmig, und jedes Mitglied kann vor der Abstimmung verlangen, mit dem Beitrittskandidaten oder der Kandidatin eine gute Zeit zu haben. Da die Frauen bisexuell sind, aber die Männer nicht, ist das für eine Frau anstrengender als für einen Mann.» Nicole übernimmt wieder: «Paul und ich wurden eingeladen, uns als Beisitzer dazuzusetzen. Zuerst vermuteten wir, dieser Rat sei eine Art Zentralregierung des Planeten. Das ist nicht total verkehrt, aber auch nicht wirklich zutreffend. Man könnte ihn auch mit einem Parlament vergleichen. Irgendwie ist er beides.» Paul fährt fort: «Wir verstehen noch nicht alles, aber wir vermuten, dass der eigentliche Willensbildungsprozess völlig informell und weitgehend telepathisch abläuft. Vielleicht könnte man es mit Lobby-Arbeit vergleichen. Die formellen Sitzungen dienen dann nur noch dazu, einem Beschluss so etwas wie einen offiziellen Stempel aufzudrücken. Die letzte und für uns wichtigste Sitzung fand am Tag 46 statt, gerechnet ab unserem Einschwenken in die Umlaufbahn. Am Tag 46 beschloss der Zwölferrat, dass wir auf dem bisher unbesiedelten Westkontinent ein Dorf errichten dürfen.» Ich frage: «Habt Ihr den Antrag gestellt?» Nicole meint ziemlich energisch: «Eben nicht! Wir hatten schon ...
... länger den Verdacht, dass es bei den Scharfen als unschicklich oder zumindest unelegant gilt, Wünsche explizit zu äussern. Mittlerweile betrachten wir diesen Verdacht als erhärtet. Es genügt, einen Wunsch zu denken. Man muss ihn nicht aussprechen, denn die Scharfen halten von sich aus nach Wünschen Ausschau. Man kann einem Scharfen eine Freude machen, indem man ihm Gelegenheit gibt, einen Wunsch zu erfüllen, bevor man verbal zugibt, dass man ihn hat.» Paul: «Das tönt etwas verrückt, aber wir denken mittlerweile, dass das ein zentrales Element der scharfischen Denkweise darstellt. Es führt nämlich dazu, dass Scharfe nie etwas fordern oder verlangen. Eine Forderung ist ja eine Steigerung eines Wunsches. Daher treiben sie auch keinen Tauschhandel in unserem Sinne, sondern sie beschenken sich gegenseitig.» Paul fügt hinzu: «Im Nachhinein lässt sich das nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, aber ich vermute folgendes: Sowohl Nicole als auch ich hatten den Gedanken, dass wir hierbleiben könnten. Uns war auch stets klar, dass wir eine separate Siedlung oder zumindest ein separates Haus bewohnen wollten. Wir machten beide Pläne, teilweise unbewusst, teilweise sprachen wir darüber. Und da kommt Alin ins Spiel.» Nicole: «Und damit wären wir wieder zurück bei meiner zweitägigen Wanderung mit Pinna. Im Rückblick kann ich ganz klar erkennen, dass mich Alin mit Pinna auf diese Wanderung geschickt hat. Sein Wunsch, zwei Bündel müssten zu Ema transportiert werden, war nur ein Vorwand. Wir ...