1. S&O - Zielpersonen 09-13


    Datum: 05.07.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... angekommen, sah die Detektivin, dass zumindest das Klingelschild an der Wohnung weiter diesen Namen aufwies.
    
    Nun, dachte sie, das muss ja nichts heißen. Vielleicht steht die Wohnung leer.
    
    Sie versuchte, durch das neben der Tür gelegene Fenster zu spähen. Aber die weiße, blickdichte Gardine war so zugezogen, dass auch nicht der kleinste Spalt offen blieb.
    
    Doch Sophie hörte, wenn auch recht leise, ziemlich eindeutige Geräusche hinter dem Fenster.
    
    Tja, dachte sie, darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen. Wer immer sich da gerade vergnügt, muss mir ein paar Fragen beantworten.
    
    Für mehrere Sekunden drückte sie auf die Klingel. Laut und durchdringend schellte es in der Wohnung. Die Stöhngeräusche endeten abrupt. Doch an der Tür tat sich nichts.
    
    Wieder klingelte Sophie und klopfte zusätzlich an die Fensterscheibe.
    
    Wohl genervt von dem penetranten Besucher ertönten kurz darauf Schritte, und die Wohnungstür wurde einen Spaltbreit geöffnet.
    
    „Hallo, Frau Hold", sagte Sophie und bemühte sich, ihre Überraschung zu verbergen. Denn sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Frau längst verschwunden war. „Ich würde mich gerne noch einmal mit Ihnen über Ihre Freundin Tamara unterhalten. Sie wissen schon, die Tamara, die es gar nicht gibt."
    
    Im ersten Moment schien Claire die Tür wieder zuschlagen zu wollen, denn es gab eine ganz kleine Bewegung in Richtung Sophie. Dann aber entschied die Frau sich um und öffnete die Tür komplett. „Na, die Stimmung ist jetzt ...
    ... eh hinüber. Kommen Sie also rein!"
    
    Claire drehte sich um und ging barfuß, nur mit einem kurzen, seidig hellrot glänzenden Morgenmantel bekleidet, den sie locker um die Hüfte zugeknotet hatte, voran in das Wohnzimmer. Als sie an einer zugezogenen Tür vorbeikam, die wohl zu dem Zimmer führte, aus dem die Lustgeräusche nach draußen gedrungen waren, rief sie laut: „Bleib im Bett! Ich komme gleich wieder."
    
    Claire deutete auf eine kleine Sesselgruppe und ließ sich selbst auf das blaue Sofa nieder. Sie winkelte die Beine an und legte sie seitlich auf die Couch. Den Gürtel des Morgenmantels zog sie ein wenig fester zu. Ihr Oberkörper war nun vollständig bedeckt.
    
    „Sie haben es also herausgefunden", stellte Claire nüchtern fest. „Naja, das war auch zu erwarten."
    
    „Sie geben es also zu?", fragte Sophie erstaunt. „Die ganze Geschichte mit einer möglichen Erpressung war alles gelogen?"
    
    Claire nickte. „Ja. Es war ein Auftrag, den ich angenommen hatte."
    
    „Auftrag?"
    
    Claire rutschte ein wenig zur Seite. „Ich bin Schauspielerin. Das heißt, ich studiere noch. Und verdiene mir nebenbei etwas mit kleineren Rollen. Film, Theater, Beteiligte in Rollenspielen. So etwas halt."
    
    Sophie begann zu verstehen. „Jemand hat Sie also engagiert, mir und meiner Partnerin diese Geschichte aufzutischen."
    
    Claire nickte. Ihre Finger spielten miteinander, aber sie wirkte kein bisschen nervös. „Ja. Ich sollte für sieben Tage die Rolle der Freundin einer gewissen Tamara Silber spielen und den ...
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