1. S&O - Zielpersonen 09-13


    Datum: 05.07.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... 12g.
    
    Eine Internetrecherche in öffentlichen Telefonbüchern hatte keinen Eintrag ergeben, ebensowenig die Anrufe bei diversen Telefonauskunfteien. Die Frau schien kein kommunikativer Mensch zu sein. Vielleicht hatte sie auch eine Geheimnummer.
    
    Oder, und das war Olivias Befürchtung, es gab sie gar nicht.
    
    Im Mistelweg reihte sich Hochhaus an Hochhaus. Und sonderlich gepflegt sahen die ehemals wohl hellweißen Fassaden nicht aus. An einigen Stellen bröckelte der Putz. Auf einem größeren Anwohnerparkplatz standen Dutzende Autos, die jedoch teilweise keine Nummernschilder mehr hatten. Manchen fehlten auch ganze Räder. Ein nicht verrostetes Auto war hier bereits eine Seltenheit.
    
    Langsam rollte der Wagen der Detektivinnen an den glasüberdachten Eingängen vorbei. Die Hausnummern in großen, schwarzen Lettern waren gerade noch zu erkennen.
    
    „12c", murmelte Olivia vom Beifahrersitz aus und spähte, leicht nach vorne gebeugt, angestrengt durch das Seitenfenster ihrer Freundin, die, wie immer, fuhr. „12d... Jetzt müsste es bald kommen."
    
    Wenig später hielt Sophie direkt vor dem Eingang zu Nummer 12g. Die Freundinnen stiegen aus und traten zu der riesigen Klingeltafel. Bestimmt einhundert, wenn nicht sogar noch mehr, Knöpfe starrten ihnen entgegen.
    
    Aufmerksam gingen sie die kleingedruckten Schilder mit den Namen der Mieter durch. Olivia war mit ihrer Hälfte zuerst fertig. „Ich habe den Namen nicht gefunden. Du?"
    
    Sophie richtete sich auf und schüttelte den Kopf. „Ich ...
    ... auch nicht. Aber vielleicht wohnt sie ja mit jemandem zusammen. Und der steht auf dem Klingelschild."
    
    Ihre Partnerin hob zweifelnd die Augenbraue. „Ich glaube ja, das ist eine tote Spur."
    
    Sophie legte ihr eine Hand auf den Arm und strich liebevoll darüber. „Wahrscheinlich hast du recht. Aber es hilft nichts. Wir müssen überall klingeln und nach Annette fragen."
    
    Olivia seufzte ergeben.
    
    In der nächsten Stunde klingelten sie sich durch die gesamte Tafel und gaben vor, einen Wertbrief für Annette Huber zustellen zu müssen. In zwei Dritteln der Wohnungen trafen sie jemanden an. Doch eine Frau Huber gab es, so zumindest den manchmal genervten Reaktionen zufolge, nirgends.
    
    Sophie hatte die Klingeltafel fotographiert und strich digital die Namen durch, welche sie abgearbeitet hatten.
    
    Am Abend würden sie es erneut versuchen und hoffentlich die noch nicht kontaktierten Anwohner antreffen.
    
    ***
    
    Am folgenden Morgen saß Olivia missmutig im Büro, hatte die Beine auf die Schreibtischplatte gelegt und hielt eine große Tasse heißen Kaffees in der Hand. Die Ermittlungen im Mistelweg hatten bis jetzt nichts ergeben. Zwar fehlten noch etwa zehn Namen, aber die Detektivin war sicher, dass auch dabei nichts herauskommen würde.
    
    Dann blieb nur noch das Einwohnermeldeamt. Oder Teskko. Aber mit dem würden sie ohnehin Kontakt aufnehmen müssen, wenn die Daten der DNA-Analyse ein positives Ergebnis brachten.
    
    Nervös und absolut überflüssigerweise, denn der Eingang einer Email ...
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