1. Marlen macht einen Fehler


    Datum: 20.09.2026, Kategorien: Reif

    ... erleben.
    
    Ihre beste Freundin Hanna, mit der sie sonst solche Ausflüge unternahm, war an diesem Wochenende mit ihrem Mann an der Ostsee. Ein leichter Anflug von Enttäuschung machte sich in ihr breit. Doch dann, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, fiel ihr Horst ein.
    
    Horst, der 60-jährige Sänger aus ihrem Chor, hatte bei einer früheren Gelegenheit beiläufig erwähnt, dass er eine tiefe Wertschätzung für die Malkunst des 17. und 18. Jahrhunderts hegte.
    
    Eine überraschende Gemeinsamkeit, die Marlen damals nur am Rande wahrgenommen hatte, nun aber in ihrem Gedächtnis aufleuchtete wie ein wegweisendes Licht. Sie überlegte kurz, ob sie Max fragen sollte, ob es in Ordnung wäre, Horst zu fragen. Doch der Gedanke verflog schnell. Sie kannte Max.
    
    Er war so großzügig in seiner Zuneigung und seinem Vertrauen, dass er es akzeptieren würde, ja sogar befürworten würde, wenn sie ohne seine vorherige Einwilligung handelte. Ihre Frage wäre nur eine Geste des reinen Respekts gewesen, die sie aber letztlich für unnötig befand.
    
    Sie wusste, dass er ihr das Vertrauen schenkte, die richtigen Entscheidungen zu treffen, und dass er sich für ihre Freude mitfreuen würde, egal, wer sie begleitete.
    
    Marlens erste Begegnung mit Horst außerhalb des Chores Am Freitagabend, nach der wöchentlichen Chorprobe, nahm Marlen all ihren Mut zusammen und suchte den Kontakt zu Horst.
    
    Er war eine imposante Erscheinung: fast 1,90 Meter groß, eine Halbglatze, die aber seinem Gesicht nichts von seiner ...
    ... markanten Ausstrahlung nahm. Sein Blick war freundlich, seine Haltung aufrecht und seine Präsenz strahlte eine ruhige Würde aus.
    
    Marlen trat auf ihn zu, ein leichtes Lächeln auf den Lippen, und sprach ihn auf die Boucher-Ausstellung an. Sie erklärte ihre Situation und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, sie zu begleiten. Horst lauschte aufmerksam, seine Augen leuchteten.
    
    Ein breites Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er bedankte sich aufrichtig für die Einladung und nahm sie mit einer Offenheit an, die Marlen angenehm überraschte.
    
    Es war nicht nur ein "Ja", sondern ein warmes, von echter Freude getragenes "Ja", das ihre kleine Enttäuschung über Max' Absage vergessen ließ. Zum ersten Mal gesellte sich Horst nach der Chorprobe zu der festen Gruppe, die sich immer in einem nahegelegenen Club traf, um den Abend bei Getränken und manchmal auch Tanz ausklingen zu lassen.
    
    Normalerweise war er direkt nach der Probe nach Hause gegangen, doch heute spürte er einen leisen Reiz, eine unerwartete Möglichkeit, die er nicht ausschlagen wollte. Marlen beobachtete ihn unauffällig. Er integrierte sich mühelos in die Gruppe, erzählte Witze, lachte mit den anderen und zeigte eine Seite von sich, die sie im Chor so noch nie wahrgenommen hatte.
    
    Der Abend nahm seinen gewohnten Verlauf, die Gespräche wurden lebhafter, die Musik lauter, und irgendwann bewegten sich die ersten Paare auf die Tanzfläche. Horst bat Marlen zum Tanz. Sie war überrascht, aber auch neugierig. Ihre ...
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