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Meine Physiotherapie-Ausbildung #1
Datum: 08.10.2026, Kategorien: Erstes Mal
... gemerkt, mit der man sich die lateinischen Namen der einzelnen Handwurzelknochen im Hirn behalten und ableiten konnte. Wieder und wieder sprach ich sie vor mir her: " Ein Schiffchen fährt im Mondenschein dreieckig um das Erbsenbein, ein Viereck groß, ein Viereck klein, am Kopf da muss ein Haken sein." Soweit die Theorie. Wenn ich diese Eselsbrücke im richtigen Moment noch ins Lateinische übersetzt bekäme, könnte ich wenigstens schon mal einen Teil des Lernstoffes reproduzieren, falls ich heute tatsächlich beim Abfragen an der Reihe wäre. Angestrengt dachte ich nach und rekonstruierte aus der Eselsbrücke die Namen der einzelnen kleinen Knochen. "Schiffchen - Os scaphoideum, Mond - Os lunatum, dreieckig - Os triquetrum, Erbsenbein - Os pisiforme, großes Viereck - Os trapezium, kleines Viereck - Os trapezoideum, Kopf - Os capitatum, Haken - Os hamatum" Wieder und wieder flüsterte ich die Namen der acht Handwurzelknochen vor mir her, bis ich endlich das Gefühl hatte, sie sicher zu beherrschen. Erleichtert ließ ich die aufgestaute Luft aus meinen Lungen entweichen, nachdem ich wenigstens darauf hoffen konnte, nicht mit völligem Blackout zu versagen, sollte Frau Dr. Morganas Wahl tatsächlich auf mich fallen. So eine Eselsbrücke hat schon was. Trotzdem war mir klar, dass es nicht ausreichen würde, nur die Carpalknochen aufzuzählen. Mindestens genauso wichtig würde es sein, ganz genau zu wissen, welcher der Knochen mit welchem anderen eine ...
... Gelenksverbindung einging und welche der einzelnen Gelenkflächen konkav und welche konvex war. Nur so konnte man die komplizierte Biomechanik der Handwurzelknochen verstehen. Hier würde ich auf jeden Fall gnadenlos verkacken, soviel war klar! Genauso war klar, dass mich meine Mitschülerinnen später in der Pause mit Spott und Häme überschütten würden, wenn Frau Dr. Morgana ausgerechnet mich drannehmen und vor dem versammelten Semester auseinander nehmen würde. Als ob die gestrige Situation für mich nicht schon peinlich genug gewesen wäre! Als ich eine gute Stunde später den Hörsaal betrat, waren fast alle anderen schon da und unterhielten sich angeregt miteinander. Kaum, dass die Tür hinter mir ins Schloss fiel, verstummten plötzlich alle Gespräche und etwa zwanzig Augenpaare richteten sich auf mich wie Flakscheinwerfer, die ein feindliches Flugzeug am Himmel ins Visier nahmen. Mir schwante bereits, dass dies wohl heute absolut nicht mein Tag werden würde... ~ ~ ~ ~ ~ Rückblende, vierundzwanzig Stunden zuvor: Mein Gott war ich aufgeregt. In wenigen Minuten würde ich meine erste praktische Unterrichtsstunde im Fach Massage haben. Massage war lediglich eines von gut drei Dutzend verschiedenen Fächern, die auf dem Lehrplan der dreijährigen Vollausbildung an der Physiotherapie-Schule standen. Auf jeden Fall war es das Fach, von dem wir uns alle etwas Abwechslung und Entspannung erwarteten. Eine Woche zuvor hatten wir bereits eine theoretische Einführungsstunde in die ...