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Polyamorie 04 - Kapitel 03
Datum: 28.05.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... etwas gedauert, aber jetzt nennt er sie ‚Kätzchen'. Ist irgendwie passend. Sie hat so eine katzenartige Anmut, manchmal schleicht sie wie auf Samtpfoten umher, dann wiederum ist sie verspielt und kann auch hin und wieder richtig wild sein, richtig abgehen. Jedenfalls habe ich mich auf den ersten Blick in Yasi verliebt. Das muss Paps genauso gegangen sein. Liegt wohl in den Genen. Ach ne, kann ja gar nicht. Wir sind gar nicht genetisch verwandt, genauso wenig wie Lena und ich Cousinen sind. Wir alle sind nur durch Heirat verbunden, heißen aber alle Brandt, sau geil. Nur Marie nicht. Wie heißt die eigentlich mit Nachnamen? „Lisa, warte mal, ich habe da noch was für dich." Lena wühlt in ihrem Bagpack und zieht unser SM-Halsband und die Kette dazu heraus. Was will sie den jetzt damit? „Was soll das?", frage ich. „Damit du nicht wieder verloren gehst", erklärt sie und legt mir schon das Halsband um. Auf dem Hinflug haben wir uns auf dem Flughafen in New York verloren, oder besser, ich habe die andern verloren. Nur weil mein blöder Koffer aufging und alles herausfiel. Na ja, jedenfalls haben wir uns wiedergefunden und alles ist wieder gut. Nicht alles. Das mit Julia ist nicht gut, das ist echt scheiße! Marie tut mir auch richtig leid, gerade erst schien alles für sie gut zu werden, da passiert so ein Mist. So schlecht es auch ist, ich bin echt froh, dass der Mörder nicht Papa getroffen hat. Das hätte mir den Rest gegeben. Alle Eltern durch Unfall oder Mord ...
... verlieren, das kann dann nur ein Fluch sein. Arme Marie, sie wird auf jeden Fall damit zu kämpfen haben. Irgendwie finde ich es auch blöd, dass wir getrennt reisen. Jetzt wird sich Papa wieder mehr um Marie kümmern müssen und ich stehe wieder hinten an. War ja vorher schon so, wegen Yasi. Lena und ich mussten sogar in meinem alten Zimmer schlafen, ohne ihn. Lena macht die Kette an ihrem Lederarmband fest. Ich finde das echt scharf. Jetzt glotzen alle noch mehr. Plötzlich kommt mir eine Idee. „Hast du die andere auch mit?", frage ich. „Ja, warum?" „Dann machen wir die Ketten über Kreuz und haben eine doppelte Sicherung, verstehst du?" Ich zwinkere ihr zu. Wieder sucht sie in dem Rucksack, legt sich das andere Halsband um und reicht mir das Armband. Ich frage mich, wie es wohl in Lena aussieht. Die hatte sich mit Julia gerade erst richtig angefreundet. Ich glaube, sie hatte sich sogar in Julia verliebt. Es macht aber nicht den Eindruck, als würde es sie sehr belasten. Habe ich mich doch geirrt, war sie in Julia doch nicht verliebt oder ist Lena so stark oder spielt sie uns was vor und alles ist nur Fassade? „Wie geht es dir, Lena?" „Gut, warum fragst du?" „Ich dachte nur, wegen Julia." „Erinnere mich nicht daran, ich versuche gerade, nicht an ihren Tod zu denken. Die Bilder kommen und gehen. Bis eben waren sie mal weg. Danke, Lisa!", antwortet sie schnippisch. Sie hat ja recht. Warum habe ich wieder davon angefangen? Die Erinnerung muss ihr doch sehr zu ...