1. Die Nachtschwester - Teil 01


    Datum: 05.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    Es ist früher Morgen, als die Krankenschwester mein Einzelzimmer betritt, um mir mein Frühstück zu bringen. Während sie das Tablett abstellt, mustere ich sie und bin hingerissen. Sie ist jung, eher klein und zierlich und sehr hübsch. Eine Augenweide. Die Schwesternuniform kann ihre frauliche Figur mit Rundungen an den richtigen Stellen nicht verbergen. Ihr Gesicht ist ebenmäßig mit einer kleinen zierlichen Nase in der Mitte, ihre langen schwarzen Haare sind zu einem Zopf gebunden. Sie hat lebendige dunkle Augen und einen hellen Teint, von dem sich ihre roten Lippen vorteilhaft abheben.
    
    In einer fremden Sprache spricht sie zu mir und schaut mich aufmunternd an. Ich verstehe kein Wort und zucke mit den Schultern, um ihr die Vergeblichkeit ihrer Rede zu signalisieren. Aber sie lässt sich nicht beirren und redet weiter auf mich ein. Ihre unverständlichen Worte klingen freundlich und sie begleitet sie mit einem bezaubernden Lächeln. Als sie eine Pause macht, frage ich mich, ob sie eine Antwort erwartet. Ich zucke erneut mit meinem Achseln zucke und sie lacht. Sie versprüht gute Laune und steckt mich an mit ihrer Fröhlichkeit. Ihre Augen leuchten. Ihre Gegenwart lässt mich meinen Zustand vollständig vergessen.
    
    An einem Schalter am Bett stellt die Krankenschwester die Kopfseite aufrecht. Dann wendet sie sich dem Frühstückstablett zu, bestreicht das Brot mit Butter, legt Aufschnitt darauf und schneidet es in mundgerechte Stücke. Mit dem Teller und einer Tasse Kaffee in der ...
    ... Hand setzt sich zu mir. Sie steckt mir Brotstücke in den Mund und setzt die Tasse an meine Lippen, damit ich trinken kann. Dabei fährt sie fort, fröhlich auf mich einzureden. Sie kommt mir dabei so nahe, dass ich ihren frischen Duft riechen kann.
    
    Ich kaue langsam, lasse mir Zeit, um ihre Gesellschaft so lange wie möglich zu genießen. Doch schließlich habe ich meinen Kaffee getrunken und aufgegessen. Sie strahlt mich erneut an, als hätte ich ihr eine besondere Freude gemacht, bevor sie von meinem Bett aufspringt und das Geschirr zurück auf das Tablett räumt. Sie kommt noch einmal an mein Bett, um mir eine Frage zu stellen. Dabei zeigt sie auf den Schaltknopf, mit dem das Kopfteil des Bettes verstellt wird. Weil ich noch ein wenig sitzen bleiben möchte, schüttele ich den Kopf. Sie nickt, schnappt sich das Tablett und geht damit zur Tür. Wie ferngesteuert heftet sich mein Blick auf ihre Rückseite, auf ihre schlanke Taille und ihren süßen runden Po, der beim Gehen sanft mitschwingt. An der Tür wendet sie sich noch einmal um und zwinkert mir zu. Noch ehe ich darauf reagieren kann, ist sie verschwunden und ich bin wieder allein mit meinen Gedanken.
    
    Seit ich in diesem Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit erwacht bin, kreisen sie ständig um meine missliche Lage: Ich liege quasi bewegungsunfähig in einem Provinzkrankenhaus, in dem es niemanden zu geben scheint, der eine mir vertraute Sprache beherrscht, außer einem Arzt, der ein paar Brocken Englisch spricht. Dieser Arzt hat mich ...
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