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Die Nachtschwester - Teil 01
Datum: 05.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... grob über meinem Unfall und meinen Gesundheitszustand informiert. Aber seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Ich war mit dem Flugzeug auf dem Weg zu einem Geschäftskunden gewesen. Wegen Wetterkapriolen musste der Flieger vorzeitig landen. Da die Zeit für das Geschäftsprojekt drängte und nicht absehbar war, wie lange der Flugverkehr unterbrochen sein würde, hatte man mir einen Chauffeur geschickt, der mich an mein Ziel bringen sollte. Es war schon später Abend, als wir losfuhren und ich war bald eingeschlafen. Von dem, was dann passierte, weiß ich nichts. Wenn ich den Arzt richtig verstanden habe, kam unser Auto von der Straße ab und überschlug sich mehrfach. Ein nachfolgender Autofahrer beobachtete den Unfall und organisierte unsere Rettung. Mein Chauffeur war in Lebensgefahr und wurde in eine Spezialklinik geflogen. Mich transportierte man ins nächstgelegene Krankenhaus, da meine Verletzungen weniger gravierend waren. Keine Frage, ich habe Glück gehabt, dass ich noch lebe. Trotzdem scheint die Situation, in der ich mich befinde, mit „unglücklich" eher freundlich umschrieben. Denn ich bin völlig hilflos, kann mich kaum regen. Meinen Kopf, meine Finger und Zehen kann ich bewegen, sonst praktisch nichts. Kopf und Rumpf sind zwar kaum verletzt, aber meine Arme und Beine mehrfach gebrochen und in Gipsverbänden ruhiggestellt. Damit die offenen Wunden besser abheilen können, ist mein linker Unterschenkel außerdem in einen Fixateur gespannt. Ich habe niemanden, mit dem ...
... ich sprechen kann. Ich weiß nicht einmal, in welchem Land ich mich befinde. Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan oder ein anderer Staat? Alles ist möglich. In meinem Einzelzimmer ist der Fernseher meine einzige Unterhaltung. Er läuft stumm, weil ich ohnehin nicht verstehe, was gesagt wird. Die Zeit vergeht unendlich langsam. Gelegentlich kommt ein Arzt oder eine Schwester ins Zimmer, um Essen zu bringen oder nach mir zu sehen. Ansonsten habe ich außer Grübeleien nichts zu tun. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich noch in diesem Krankenhaus werde bleiben müssen. Sobald ich transportfähig bin, hoffe ich hier wegzukommen. Aber das wird noch dauern. Neben meiner rechten Hand liegt ein Schalter, den ich drücken kann, wenn ich Hilfe brauche. Doch obwohl ich für jede Abwechslung dankbar wäre, wage ich nicht, ihn zu betätigen, nur damit etwas passiert. Um mich von meiner trüben Zukunft abzulenken, zwinge ich mich an die hübsche Krankenschwester zu denken. Leider habe ich sie weder mittags noch beim Abendessen wiedergesehen. Trotzdem konzentriere ich mich auf sie. Ich überlege, was sie zu mir gesagt haben und ihr Zwinkern bedeuten könnte. War es nur Ausdruck ihrer guten Laune oder vielleicht doch mehr? Ich male mir aus, wie es wäre, sie in den Arm zu nehmen, ihren Körper an meinem zu spüren und sie zu küssen. Ich versuche, mir ihren nackten Körper vorzustellen, dessen Formen ich unter der Uniform nur erahnen konnte, die Form ihrer Brust, die schlanken Beine und alles, was dazwischen ...