1. Die Bio-AG 04


    Datum: 13.10.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen,

    ... Weinglas.
    
    Lilianes lautlose Pantomime eines diabolischen Lachens, als die böse Zauberin den Pokal mit dem fertigen Trank triumphierend in die Höhe hob, garnierte Meikes hysterischen Lachanfall mit einem gruseligen Schauer. Sie konnte förmlich den Akkord der Kinoorgel hören, der die Szene im Stummfilm untermalen würde.
    
    Sie musste sich unbedingt bei Britta melden. Es musste doch noch ein anderer Tag als der Mittwoch zu finden sein, um etwas gemeinsam zu unternehmen.
    
    „Die Zauberin bestellte den Prinzen zu einem mitternächtlichen Umtrunk und der Junge folgte der Einladung seiner zukünftigen Schwiegermutter gerne. Arglos wie er war, nahm er den Liebestrank zu sich. Die Zauberin frohlockte und wähnte sich als Siegerin."
    
    Das Licht hatte wieder zu Weiß gewechselt, der Prinz betrat die Bühne und begrüßte seine Schwiegermutter, die ihren Hexenhut schnell verschwinden ließ, mit einem Handkuss. Dann setzten sie sich an die gegenüberliegenden Enden des Tisches und sie reichte ihm den Trank.
    
    „Doch die Zauberin hatte etwas nicht bedacht, was nun die Wirkung des Tranks verfälschte: das übergroße Gefühl des Prinzen für die Prinzessin. In seiner Brust rangen schwarze Magie und lautere Liebe um sein Herz, bis er zu Tode erschöpft wie leblos zusammenbrach. Die Zauberin floh in Panik, während die Prinzessin, die in düsterer Vorahnung durch das nächtliche Schloss geirrt war, das Gemach ihrer Stiefmutter fand."
    
    Sekunden nachdem der Prinz einen tiefen Zug genommen hatte, war er ...
    ... zusammengebrochen. Der Pokal fiel ihm aus der Hand und er selbst vornüber auf dem Tisch. Kurz wurde er von heftigen Krämpfen geschüttelt, bevor er stocksteif auf dem Tisch zu liegen kam.
    
    Es war ein Bild der Verwüstung, das sich der Prinzessin bot, als sie vorsichtig die Tür zum Vorzimmer der Gemächer ihrer verehrten Frau Stiefmutter aufdrückte. Ein heilloses Durcheinander rund um den kleinen Tisch, an dem die Königin ihren Tee mit ihren Hofdamen zu nehmen pflegte. Die kunstvoll geschnitzten Stühle umgestoßen, das Tischtuch herabhängend und auf dem Boden verstreut silberne Teller, Kristallgläser und Pokale. Es roch nach Wein, der auf dem kostbaren Orientteppich verschüttet worden war. Mitten auf dem Tisch lag der reglose Körper ihres Geliebten, seine schlaffen Glieder hingen von den Seiten herab. Eine solche Szene hätte die Prinzessin eher in der Wache bei den Husaren ihres Vaters erwartet. Sie fragte sich, ob ihr Zukünftiger eine gute Wahl gewesen war. Doch als sie näher herantrat, wurde ihr klar, dass sie hier mehr als die Folgen eines Saufgelages zu gewärtigen hatte.
    
    Das Antlitz des Prinzen war weiß wie Schnee und es war über und über mit feinen Schweißperlen bedeckt, seine Lippen unnatürlich bleich. Sie stürzte sich auf ihn, berührte seine Wangen, die Glieder und seine Brust, aber er war kalt und schien bar sämtlichen Lebens.
    
    Es blieb ihr keine Zeit, sich den Kopf zu zerbrechen, was hier wohl passiert sein mochte. Sie musste ihren Geliebten ins Leben zurückholen, ...
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