-
EWK 02 - Die Show für den Fotografen
Datum: 25.11.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... brachte den dreckigen Teller in die Küche und goss mir Wein nach. Aber anstelle wieder auf die Terrasse zu gehen, ging ich nach vorne und schaute auf die Straße. In einigen Häusern brannte Licht. Bei Maxim und Larissa war es dunkel, Schade? In unserer Straße standen ca. 30 Häuser, ich konnte so 5 von denen sehen. Larissa und Maxim wohnten gegenüber, neben uns die Hubers und auf der anderen Seite fing der Feldweg an, der auch auf der Rückseite am Haus vorbei lief. Vor Corona hatten wir ein Straßenfest auf der Kreuzung weiter hinten gehabt, fast jeder kam und wir hatten einen schönen Tag gehabt. Und nur deshalb wusste ich, wer so alles hier wohnte. Ein paar Nachbarn waren deutlich über 60 und keine großen Partygänger, ließen sich aber trotzdem ab und zu blicken und wünschten immer einen guten Tag. Die meisten Nachbarn waren aber so in unserem Alter. Larissa und Maxim waren mit die jüngsten hier. Es gab eigentlich keine Einzelgänger bis auf eine allein lebende Frau. Sie hatte sich mit über 50 von ihrem Mann scheiden lassen, Respekt! Die Meiers waren die einzigen, ...
... die ein wenig speziell waren. Sie hatten zwar niemandem etwas getan, hielten sich aber aus allem raus. Er war auch schon vorher mir aus dem Weg gegangen. Mit ihr hatte ich hier und dort ein paar Worte gewechselt, er flüchtete förmlich vor Begegnungen und wenn es unvermeidlich war, schaute er meistens in die andere Richtung und grüßte niemals. Ein Sonderling unser Fotograf. Ein diese Gedanken vertieft ging ich wieder nach hinten. Ich atmete tief aus und setzte mich hin. Mein Bademantel stand mittlerweile ein wenig offen, aber das störte mich nicht. Mein Selbstbewusstsein kehrte zurück. Dem Arsch würde ich es schon zeigen. Aber der Arsch zeigte sich nicht, niemand zeigte sich hinter dem Haus. Und das Haus unserer Nachbarn blieb auch dunkel. Ein Käuzchen schrie im Wald. Ich schaute mir auf TikTok gerade ein Reel an, als es sich anhörte, als würde ein Stuhl über Waschbeton gezogen. Ich griff nach der Taschenlampe und machte mich bereit. Würde der Fotograf jetzt aus dem Dunkel treten? ---------- Sollen wir die Geschichte weiter schreiben, oder lohnt es sich nicht?