1. Kometenhaft 02 - 03


    Datum: 16.03.2022, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    Kometenhaft 02 - WG
    
    Dienstag 13. Juni
    
    Es schmerzt noch immer, hier weiterzumachen. Aber gleichzeitig hat sich die Menge an Frust, die ich loswerden will, nicht verringert. Also probier ich mich hiermit mal ein wenig abzulenken.
    
    Ich war stehengeblieben, dass ich wieder in meine alte WG eingezogen bin. Das hat sich eigentlich ganz einfach ergeben, da ich ja zu Frank auch nach meinem Auszug ganz gut Kontakt halten konnte, er ist ja schließlich auch in meinem Studiengang, auch wenn wir inzwischen ganz andere Vertiefungsmodule belegen. Er hatte mir schon vor der Trennung von Vanessa berichtet, dass sich mein Nachfolger einfach nicht so richtig in die WG einleben konnte, und sich dann eine neue Bleibe gesucht hat. Der Grund war ganz einfach: Mareike.
    
    Hm, irgendwie komm ich so nicht weiter, ich setz mal anders an. Also, unsere WG bestand aus Frank, wie schon erwähnt, mein Kommilitone, besagter Mareike, einer Ökologie-Studentin und Andrea, einer Informatikerin. Als ich zu studieren anfing, und genauso wie Frank, den ich damals noch nicht kannte, auf Budensuche ging, stellte ich mich bei Andrea und Mareike vor, die ein Semester zuvor die WG von ihren Vorbewohnern "geerbt" hatten und nun zwei neue Mitglieder suchten.
    
    Andrea machte auf mich einen ziemlich normalen Eindruck: hübsches Gesicht, blondes nicht ganz schulterlanges Haar, T-Shirt, Jeans. Nichts Besonderes, aber auch nicht von der Bettkante zu schubsen. Mareike hingegen war die Ausgeburt einer Ökologie-Studentin ...
    ... wie man sie sich klischeehafter nicht vorstellen konnte. Trotz dass es schon Sommer war, und die Temperaturen deutlich zweistellig waren, saß sie in einem dicken gestrickten braunen Rollkragen-Pullover vor mir. Ihr Rock in einem primitiven Braun-Grau-Muster warf riesige Falten (wahrscheinlich hatte sie noch ein oder zwei Röcke darunter) und ließ die Beine nur erahnen, die Füße steckten in ebenso dicken Wollsocken in Erdtönen. Ihr Gesicht wurde dominiert von einer riesigen Hornbrille, war blass ausdruckslos und vollkommen ungeschminkt. Dazu kamen noch fast farblose Lippen, die ab und zu an einem heißen Fencheltee nippten (der Fenchelgeruch hing schwer in der Luft). Eingerahmt wurde das Ganze von einem stumpfen, wirren Wuschel aus braunen Haaren (brünett würde ich sie nennen, wenn sie etwas gepflegt worden wären), die lieblos auch noch weite Teile ihrer Schultern bedeckten.
    
    Die Beiden konnten kaum unterschiedlicher sein. Andrea war freundlich, offen und geradeheraus. Mareike reserviert, ablehnend und ließ nur wenig über sich verlautbaren. Leider hatte sie das gleiche Stimmrecht wie Andrea. Aber man merkte, dass sie die Wohnung am liebsten vollkommen alleine bewohnen würde. Mein Interview lief ebenso gemischt. Andrea wollte etwas über meine Hintergründe erfahren, und was ich vom Wohnen in WGs halte und meine allgemeine Gesinnung. Mareike verwendete die gewonnenen Informationen hingegen gerne, um gegen mich zu argumentieren.
    
    Irgendwann schließlich ging Andrea mit Mareike in ...
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