1. Cowboy und Indianer (genau wie früher)


    Datum: 26.09.2022, Kategorien: Sonstige,

    ... günstige Gelegenheit bieten würde, waren meine Beine ausreichend beweglich, um sie weit genug auseinanderzunehmen. Zwar lebte ich seit vier Jahren in einer Beziehung, diese war jedoch in vielerlei Hinsicht nicht sonderlich befriedigend. Seitensprünge gehörten bei Mario und mir von daher schon länger eher zur Regel als zur Ausnahme. Weshalb wir uns nicht trennten? Nun, wir hatten uns in dieser Konstellation gut eingerichtet und beide keine Zeit für eine aufwendige Vollzeitbindung. "Ach weißt du was, Irene? Fick dich selber", sagte ich und ließ sie stehen.
    
    Ein paar interessierte Blicke, mehr hatte ich von den beiden männlichen Vorstandsmitgliedern nicht ernten können. Aber das machte nichts. Es war ja nicht so, als hätte ich seit zwei Wochen keinen Sex mehr gehabt. In Wirklichkeit waren es nämlich sogar schon vier. Dennoch packte ich schnell alles zusammen, als der Feierabend eingeläutet wurde. Doch noch bevor ich aufstehen konnte, war das Unvermeidliche bereits geschehen. Wolfgang und Gerd versperrten mir den Weg.
    
    "Sag mal Valeska, was hältst du davon, wenn wir die Sache mit den Führungsstilen im kleineren Kreis noch weiter besprechen? Wolfgang hat da ein paar interessante Ansätze, die er dir gerne näher erläutern würde."
    
    Der große, etwas hagere und schwarzhaarige Gerd sagte dies freundlich. Wenn ich bei der morgendlichen Einführungsrunde richtig aufgepasst hatte, war er nicht nur verheiratet, sondern auch stolzer Vater dreier Kinder. Auch sein Blick deutete in ...
    ... keinster Weise an, dass seine Frage irgendetwas anderes als ein entspanntes Gespräch unter Kollegen implizierte. Allerdings war ich schon seit meiner Geburt blond und meine Erfahrungswerte zeigten deutlich, dass es sich für Männer bei Worten wie
    
    reden
    
    ,
    
    sprechen
    
    oder
    
    diskutieren
    
    letztendlich nur Synonyme für
    
    vögeln, ficken
    
    oder
    
    bumsen
    
    handelte. Und da ich ihm das grundsätzlich nicht übelnahm, sondern als Kompliment verstand, setzte ich mein empathischstes Lächeln auf. "Nur damit es hinterher nicht heißt, ich hätte euch falsch verstanden - ihr wollt mich knallen, oder etwa nicht?"
    
    Umgehend verwandelte sich der eben noch so seriöse Gesichtsausdruck des glücklichen Familienvaters in ein anzügliches Grinsen. "Ich mag Frauen, die Klartext reden."
    
    Wolfgang, der bislang angestrengt versucht hatte, den Knopf meines Blazers durch pure Willenskraft zum Öffnen zu bringen, beugte sich nun mit verschwörerischer Miene zur mir. "Wie wäre es, wenn du kurz auf dem Klo verschwindest und ohne Unterwäsche zurückkommst?", flüsterte der kleine, leicht untersetzte und irgendwie schmierig wirkende Mann mit Halbglatze in mein Ohr. "Ich kaufe sie dir auch ab."
    
    Ich hatte es zwar nötig, so sehr dann aber wiederum auch nicht. "Syphilis? Oh mein Gott, du armer Kerl!", rief ich erschrocken und hielt mir die Hände vors Gesicht. So konnte ich mein Lachen auch besser verbergen.
    
    Die Hitze in Frankfurt war kaum auszuhalten. Von oben knallte die Sonne, vom Asphalt und den ...
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