1. Silberhochzeit 2


    Datum: 24.11.2022, Kategorien: Sonstige,

    ... ins Krankenhaus.
    
    Ihr Zustand verschlechterte sich zusehends. Sie wurde pflegebedürftig und die Frage, ob ein Pflegedienst oder ihre Schwiegertochter die Pflege übernehmen sollte, stand zur Diskussion. Mama Maria traf ihre eigene Entscheidung: "Lena wird mich pflegen. Nicht wahr, mein Mädchen, das tust du doch?"
    
    Natürlich tat ich es, das war selbstverständlich für mich.
    
    Dr. Müller, der sich mit 65 Jahren kurz vor seinem Ruhestand befand und seit der Geburt unseres ersten Sohnes, eng mit den alten Herrschaften befreundet war, hatte die medizinische Versorgung übernommen.
    
    Unfreiwillig wurde ich eines Tages Zeuge eines Gespäches, zwischen Enrico und seiner Mutter, als ich morgens das Schlafzimmer betreten wollte, um Mama Maria zu waschen. Ich hörte Enrico schluchzen und blieb wie erstarrt vor der, einen spaltbreit, geöffneten Tür stehen.
    
    "Ich liebe sie Mama, ich liebe sie, seit ich sie zum ersten mal sah und ich kann nicht damit aufhören sie zu lieben, obwohl es nicht sein darf", erklang Enricos heisere Stimme.
    
    "Ja ich weiß, mein Junge", vernahm ich die schwache Stimme seiner Mutter. "Wir hätten dich und nicht Alessandro nach Italien schicken sollen, vielleicht hätten wir dir damit viel Schmerz ersparen können. Du magst zwar der ältere sein, aber dein Bruder ist im Grunde genommen der stärkere von euch beiden. Doch du hättest dich sowieso geweigert, das wussten wir.
    
    Sage mir, warum hast du dich niemals von Lisa getrennt? Ich habe es dir nie gesagt, mein ...
    ... Junge, aber sie war mir schon immer unsympathisch!"
    
    "Wegen Marina, Mama. Ich schwöre dir, ich werde mich scheiden lassen, sobald Marina das Haus verlässt um ein eigenes Leben zu führen", versprach Enrico.
    
    "Du bist so ein guter Junge und ich verspreche dir, dass du dein Glück finden wirst. Manchmal braucht es halt ein wenig länger. Gib die Hoffnung nicht auf, mein Sohn", erwiderte seine Mutter schläfrig.
    
    Leise schlich ich mich zurück ins Bad, drehte den Wasserhahn auf und klapperte etwas lauter als gewöhnlich mit irgendwelchen Gegenständen um Enricos Aufmerksamkeit zu erregen. Erst als er schnellen Schrittes am Bad vorbeigehuscht war, machte ich mich erneut auf den Weg zu Mama Maria.
    
    Meine Gedanken kreisten, auf der Suche nach einer Erklärung für Enricos Worte, wirr in meinem Kopf herum. Er hatte sich verliebt, irgendwie freute mich der Gedanke, andererseits schmerzte es mich. Aber trotz allem: wer mochte diese Frau sein? Vor allen Dingen: Warum hatte er nie mit uns über sie geredet? Und wann war es passiert? Es musste schon vor mindestens anderthalb Jahren gewesen sein, das würde zumindest Mama Marias Bedauern über die Fehlentscheidung, Alessandro statt Enrico nach Italien zu schicken, erklären. Aber dann hätte er ja Marina hier zurücklassen müssen. Nie im Leben wäre Lisa nach Italien gezogen.
    
    Sanft berührte ich die Schulter der alten, geliebten Frau. Sie schlug die Augen auf und blickte mich warmherzig an, ein Lächeln erhellte ihr faltiges Gesicht.
    
    "Du bist mir ...
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