1. Silberhochzeit 2


    Datum: 24.11.2022, Kategorien: Sonstige,

    ... geborgen wie in den Armen meines Mannes.
    
    Enricos Lippen streichelten über mein Haar während wir uns langsam bewegten.
    
    " Bist du glücklich?", fragte er leise.
    
    Ich blickte zu ihm auf und nickte. Er küsste meine Stirn und drückte mich noch näher an sich heran.
    
    "Dann bin ich es auch", waren seine Worte, deren Bedeutung mir erst viel später klar werden sollte.
    
    Meinen Brautstrauß, den ich über meine Schultern warf nachdem wir uns verabschiedeten, fing Lisa auf. Sie strahlte Enrico an, der sie allerdings nur müde anlächelte.
    
    Schon auf dem Weg durch den Garten zog Christian mich in seine Arme um mich leidenschaftlich zu küssen. Kurz vor dem Bach, der das Grundstück teilte wollte er mich auf seine Arme heben um mich über die kleine Brücke zu tragen. Ich schleuderte meine Schuhe von den Füssen und entwischte ihm. Es war eine helle Vollmondnacht und ich rannte im Zickzack barfuß über den gepflegten Rasen in unserem Garten. Christian stürmte hinterher und hatte mich natürlich schnell eingefangen.
    
    "Muss ich dich in den nächsten fünfzig Jahren jedesmal einfangen, wenn ich dich will?", scherzte er.
    
    "Natürlich, wo bliebe sonst der Spaß an der Sache?", ich lachte.
    
    "Wenn du das nochmal machst, werde ich dir zeigen, wie es bei den Neandertalern ablief", drohte er und gab mit einen saftigen Klaps auf den Po. Als er mich küssen wollte, schubste ich ihn zurück, lief ein Stück und drehte mich mit ausgebreiteten Armen um meine eigene Achse bis mir schwindelig ...
    ... wurde.
    
    Christian fing mich auf, als ich taumelnd beinahe zu Boden stürzte. "Du bist verrückt", stellte er lachend fest. Ich umarmte ihn, blickte in seine Augen und sagte leise: "Ja, verrückt vor Glück und verrückt nach meinem Ehemann."
    
    Er küsste mich und hob mich hoch, trug mich bis zur Tür und kramte, nachdem er mich abstellte, in seiner Jackentasche nach dem Haustürschlüssel. Erfolglos. Er schüttelte grinsend den Kopf.
    
    "Ich bringe ihn um", meinte er. Verständnislos sah ich ihn an. "Enrico hat wohl meinen Schlüssel verschwinden lassen, du kennst doch seine Scherze."
    
    Ich kicherte. Aber wir hatten noch einen Ersatzschlüssel im Geräteschuppen deponiert, seitdem ich mich einige Wochen zuvor mal versehentlich aussperrte.
    
    Als wir endlich die Tür geöffnet hatten, hob Christian mich erneut auf seine Arme um mich über die Schwelle zu tragen. Ich fand diese alten Bräuche zwar lächerlich, gönnte ihm aber seinen Spaß.
    
    Die Tür fiel hinter uns ins Schloss und Christian betätigte mit seinem Ellenbogen den Lichtschalter. Erfolglos ...
    
    Unser Schlafzimmer befand sich im oberen Bereich des Hauses, also mussten wir die Treppe hinauf. Im Mondlicht, welches durch das kleine Flurfenster fiel, sahen wir eine Kerze und ein Feuerzeug auf der dritten Stufe liegen.
    
    "Ich glaube, ich werde ihn zunächst bewusstlos schlagen, dann fesseln und anschließend solange quälen bis er den Verstand verliert. Warte hier ich schalte oben das Licht ein!", damit rannte er im Dunklen die Treppe hinauf um oben ...
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