1. Das Refugium 2 - Complete 000 - 018


    Datum: 27.01.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... freie Sicht oder ein Relais oder zumindest einen Reflektor am Himmel. Die alten Satellitennetze waren längst offline. Zur Not und auf kurze Distanz funktionierten auch Wolken, aber die Nacht war sternenklar. Die obere Atmosphäre gab ebenfalls einen recht guten Reflektor ab für gewissen Wellenlängen, aber man musste dazu mit sehr hoher Sendeleistung arbeiten. Wenn das da unten Militär war, und wenn die halbwegs Wert darauf legten, ihre Umgebung im Auge zu behalten, würden sie die Sendung zweifellos sofort bemerken und ihre Position einpeilen.
    
    Also blieb nur eine Option: den Copter so schnell als möglich wieder aufladen, und dann zurückfliegen. Einige Gipfel weiter würde sie dann in aller Ruhe senden können. Aber der Akku war auf Reserve, und Lisa machte eine Erfahrung, die vor ihr schon die ersten Besitzer von Elektroautos gemacht hatten. Mit einem vollen Akku loszubrausen war kein Kunststück, das Kunststück war, ihn schnell nachzuladen, wenn man eilig weiterwollte.
    
    Schnelladesäulen waren meistens besetzt, funktionierten nicht, oder akzeptierten just nur die Kreditkarten die man gerade nicht hatte. Die Anbieter, denen wie immer der Profit über alles und der Umweltschutz im Grunde am Arsch vorbei ging, wussten Notlagen weidlich auszunützen und verlangten Preise, die jede vorher angestellte Rentabilitätsrechnung als dreiste Werbelüge entlarvte. Im Konkreten Fall war die Abdeckung mit Schnelladesäulen ohnehin eher suboptimal, Lisa nahm sich vor, sich bei Manfred und Sandy ...
    ... zu beschweren. Ihr würde nichts anderes übrigbleiben, als einen Tag reglos im Gebüsch auszuharren und Sonne zu tanken, um sich dann in der darauffolgenden Nacht unter dem Schutz der Tarnung möglichst schnell und leise davonzustehlen.
    
    Es gab aber auch Einflüsse zu Gunsten der Station. Lisa hatte beim Herflug die Straßen beobachtet. Sie waren nach jahrelanger Vernachlässigung nur noch schwer passierbar. Die meisten Brücken waren von Hochwässern weggespült worden, weil niemand die Bäume und Felsen wegräumte, die irgendwann die Durchlässe verlegten. Einzelne Straßenabschnitte waren von Muren und Bergstürzen verlegt worden, oder ihrerseits ins Tal abgerutscht. Je weiter man in die bergigen Abschnitte des großen Tales vordrang, desto schlimmer wurde es. Notdürftig angelegte Schotterpisten, wenig mehr als Trampelpfade, überbrückten die Schadstellen. Die Marauder hatten kaum Zugang zu intakten Kraftfahrzeugen und Treibstoff, sie verließen sich daher meistens auf Esel und Pferde als Transportmittel, oder gingen zu Fuß in kleinen Gruppen mit Tragegestellen und Rucksäcken. Es würde nicht einfach werden, und vor allem viel Zeit brauchen, einen für schwere Fahrzeuge passierbaren Weg zum Camp der Marauder und von da bis vor die Station zu bahnen.
    
    Lisa wünschte sich, Manfred wäre bei ihr, allein auf sich gestellt spürte sie die drohende Gefahr fast körperlich. Aber im Moment konnte sie nicht viel tun, außer weiter zu beobachten und möglichst viele Informationen über den potenziellen ...
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