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Das Refugium 2 - Complete 000 - 018
Datum: 27.01.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,
... Unterbewusstsein schrie Alarm. Irgendetwas hatte sich verändert. Nach einer Weile kam sie darauf: eine der großen Kameras auf dem Dach war geschwenkt worden, und ihr glänzendes Auge war nun ausgerechnet direkt auf ihr Versteck gerichtet. Lisa fühlte ein unruhiges Kitzeln in der Magengrube. "Das ist sicher nur ein blöder Zufall," versuchte sie sich zu beruhigen, "jede Kamera zeigt jederzeit irgendwo hin." Sie war schließlich extrem vorsichtig gewesen, keine außerhalb des Refugiums verfügbare Technik wäre auch nur annähernd in der Lage, sie auf diese Entfernung auszumachen. Als nächstes schlug ihr Controller an. Natürlich belauschte er unter anderem auch jeden Funkverkehr, bisher war alles still gewesen, aber jetzt hatte er plötzlich ein Signal aufgefangen. Es war nicht einmal verschlüsselt. Verschlüsselnde Funkgeräte waren dieser Tage extrem selten. Seinerzeit hatte die Sowjetunion natürlich eine der Firmen eines mit dem Präsidenten befreundeten Oligarchen beauftragt, nach westlichem Vorbild eine Plattform zur abhörsicheren Funkübertragung zu entwickeln. Der Oligarch, nennen wir ihn Igor, gründete sofort eine Geflecht aus weiteren Firmen mit klangvollen Namen, und kaufte ein paar Spezialisten ein, welche die gewünschten Chips zu entwickeln hatten. Nachdem sie erst eine Weile relativ lustlos versucht hatten, etwas Eigenes aus dem Ärmel zu schütteln, und der Druck von oben, jetzt dann endlich mal Ergebnisse zu präsentieren zunehmend größer wurde, fand man einen ...
... einfachen Ausweg. Über verschwiegene Kanäle schaffte man es, für vergleichsweise wenig Geld die von der US-Army für schlechte Zeiten gebunkerten Vorräte an Kryptochips anzuzapfen. Man ließ sich die Chips über einige Zwischenstationen diskret zuschieben, schliff sie dann oberflächlich ab und bestempelte sie mit einer eigenen Fantasiebezeichnung. Abgesehen von der Anlage zum umlabeln der Chips braucht man eigentlich nichts, dennoch riefen die Firmen regelmäßig größere Budgets ab, angeblich um die Produktionsstätten für die Chips zu betreiben. Der Großteil des investierten Geldes dümpelte fortan in Form einer Megayacht in einem zypriotischen Hafen herum. Als dann das westliche Chip-Embargo einige der Zwischenhändler aussteigen ließ, denen der Handel angesichts der angedrohten drakonischen Sanktionen zu heiß wurde, gingen den russischen Firmen bereits nach kurzer Zeit die Vorräte an Kryptochips aus. Nachdem man das Unvermeidliche noch einige Monate mit immer abenteuerlicheren Ausreden hinausgezögert hatte, musste man schließlich Farbe bekennen. Igor der Oligarch bekam natürlich postwendend eine Einladung zum Dinner bei seinem Präsidenten, eine von der Art, die man nicht ausschlagen kann. Im Vertrauen auf die langjährige Freundschaft, die schon im Sandkasten begonnen und sich dann in der gemeinsamen Geheimdienstzeit fortgesetzt hatte, gestand der Oligarch zerknirscht seinen Fehltritt, und bot an, als Wiedergutmachung das noch verbliebene Geld, immerhin mehrere hundert Millionen, ...