1. Das Refugium 2 - Complete 000 - 018


    Datum: 27.01.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... begann, auf demselben Weg wie sie gekommen war das Tal wieder zu verlassen. Diesmal ließ sie sich Zeit, und nützte das Fernglas, um auf dem Weg nach Maraudern Ausschau zu halten. Als Marianne sich langsam dem Talende näherte, wo noch das Lager der Marauder zu umgehen war, versteckte sie sich im Bachbett zwischen einigen großen Steinblöcken, und wartete auf den Schutz der Nacht.
    
    Die Nacht war mondlos und stockdunkel, und die wenigen Wachen, die Ritchie aufgestellt hatte, verrieten sich schon aus der Distanz durch die kleinen glühenden Punkte ihrer Zigaretten und ihr halblautes Geschwätz untereinander. Marianne konnte sie problemlos umgehen, und folgte danach dem Flusslauf, um immer weiter weg von Ritchie zu kommen, was aber leider auch bedeutete, dass sie sich immer weiter von Lisa und Sandy entfernte.
    
    Marianne war natürlich entschlossen, in der Gegend zu bleiben und auf eine Gelegenheit zu warten, ihre Töchter irgendwie kontaktieren zu können. Zuvor brauchte sie aber ein sicheres Versteck für sich selbst, in dem sie notfalls auch einen Winter überstehen konnte.
    
    Im großen Tal gab es einige Ruinendörfer, aber das war Marianne zu gefährlich. Hin und wieder durchsuchten Marauder als Schrottsammler auch den letzten Winkel, den sie schon x Mal zuvor durchsucht hatten, in der Hoffnung, etwas zu finden was bisher übersehen wurde.
    
    Aber die Marauder mieden die Berge, und besonders ein Seitental, von dem Marianne hin und wieder hatte munkeln hören, es sei eine verfluchte ...
    ... Todesfalle. Aus den vagen Schilderungen der Marauder wusste Marianne, dass es einige Tagesmärsche entfernt weiter unten im Tal liegen musste.
    
    Die folgenden Tage arbeitete sich Marianne methodisch der alten Straße entlang immer weiter dorthin, wo früher einmal die größeren Orte gelegen hatten, und prüfte akribisch jedes Seitental, das rechts oder links abzweigte. Als sie die enge Schlucht sah, durch die sich ein reißender Wildbach quälte, und darüber Reste eines alten Klettersteigs wusste sie, dass sie den richtigen Eingang gefunden hatte.
    
    Vorsichtig arbeitete sich Marianne den Steig entlang, und dachte an die Schilderungen der Marauder. Der Weg wurde immer schmaler, und unter ihr toste der Wildbach, bereit alles zu verschlingen, was ausrutschte und in ihn hinein fiel. Marianne konnte sich gut vorstellen, denn das entsprach genau dem Humor von Maraudern, dass hier der eine oder anderer sein Leben gelassen hatte, weil ihn im falschen Augenblick ein kleiner Schubs oder ein Tritt auf einen Hacken aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, sehr zum Gaudium seiner Kumpane. Dementsprechend langsam und methodisch arbeitete sich Marianne Fuß um Fuß vor, immer auf sicheren Griff und Stand bedacht.
    
    Dennoch wäre es fast schief gegangen.
    
    Marianne näherte sich einem Abschnitt, in dem der Weg einst durch eine senkrecht abfallende Felswand geführt worden war. Für die Beine gab es ein Felsband, das nur wenig breiter als ein Schuh war, und das in einiger Entfernung um den Fels herum bog ...
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