Ausgrabungen
Datum: 22.02.2023,
Kategorien:
Reif
... wie das die bereits angelegten Gurte ermöglichten.
"Boah", war ihr einziger Kommentar, dann küsste sie mich verwirrenderweise auf die Wange und ergriff danach meine Hand. Das hatte sie schon beim Abheben gemacht, ein nicht so ungewöhnliches Ritual unter Vertrauten mit residualer Flugangst, wie ich mir hab sagen lassen. In diesem Moment war es für mich aber viel mehr, obwohl ich nicht hätte benennen können, was.
Es sind viele Bücher über Neapel geschrieben worden. Ich habe einige davon gelesen, viele enthalten sehr akkurate Beschreibungen, aber wie sich Neapel anfühlt, findet man nur in Gedichten oder Geschichten über die Stadt. Und doch ist sie für jeden anders, jeder empfindet sie anders, jeden nimmt sie anders ein oder stößt ihn anders ab.
Wir fuhren mit Paolo, einem wissenschaftlichen Assistenten der hiesigen Universität in irrsinnigem Tempo vom Flughafen in die Innenstadt, in einem klapprigen Fiat Ducato mit defekter Klimaanlage, der auch sonst schon sichtbar bessere Tage gesehen hatte. Unser Equipment sollte nämlich bereits am Hauptbahnhof angekommen sein und meine Kollegen hatten uns netterweise angeboten, uns nicht nur vom Flughafen abzuholen, sondern mit unserer ganzen Gear zu unserer Unterkunft in Torre del Greco, knapp 17 km von Pompeji entfernt, zu kutschieren und diese dann letztlich in Pompeji abzuladen.
Die Unterkunft, die wir ursprünglich für unsere Gruppe gemietet hatten, war noch dichter dran gewesen, aber auch alles andere als billig, und für uns ...
... beide zu riesig. Eine unserer Verwaltungskräfte hatte es sich nicht nehmen lassen, alles für uns umzuorganisieren, völlig sinnfrei, wie Paolo mir versicherte, denn meine Kollegen von der hiesigen Uni hätten das auch für uns erledigen können.
Ich spreche fließend Italienisch und tauschte mich über die wichtigsten Dinge so mit Paolo aus, aber er sprach leidlich Deutsch und wechselte gern und oft die Sprache, um Annalena mit einzubeziehen, die mit Begeisterung den wilden Verkehr mit den unzähligen Rollerfahrern und die traumhaft schönen Gebäude aufsaugte, dabei kaum merkte, dass Paolo mit ihr zu flirten versuchte, oder zumindest so tat.
Es lief alles glatt, etwas, was in Neapel nicht selbstverständlich ist, dort kann man eigentlich immer mit dem einen oder anderen Hindernis rechnen, welches man meist aber auch ohne Weiteres überwinden kann, aber bei diesem Besuch fanden wir alles so vor, wie wir uns das vorgestellt hatten. Paolo versuchte gleich sicherzustellen, dass wir uns nicht in Torre del Greco und der Dig-Site verstecken würden, da er "uns" sein Napoli zeigen wolle und müsse.
Sein Gebaggere ging mir langsam ein wenig auf die Nerven, auch an die Hochgeschwindigkeitskommunikation musste ich mich erstmal wieder gewöhnen, wenn er denn mal von ihr abließ und mich ins Gespräch zog. Lenny saß dabei, grinste wie ein Honigkuchenpferd und knuffte mir ab und zu verschwörerisch in die Rippen, ohne dass ich verstand, in welche Verschwörung ich da einbezogen wurde.
Also war ...