1. Ausgrabungen


    Datum: 22.02.2023, Kategorien: Reif

    ... es am Ende dann doch die Erlösung, als wir in Torre del Greco ankamen und die Airbnb-Unterkunft, die für uns gebucht war, auf Anhieb fanden. Ein größeres Wohnhaus mit mehreren Mietparteien, nicht gerade edel, aber schon in einer etwas besseren Gegend. Wir hatten eine kleine Wohnung mit Küche, Bad und einem angenehm großen Wohnraum, der direkt an einem riesigen Garten lag.
    
    In der großen Durchfahrt stand bereits unser Mietwagen, für den mir Paolo noch Papiere und Schlüssel präsentierte, bevor er direkt nach Pompeji weiterfuhr, um dort unser Equipment im Lager an der Site abzuladen.
    
    Giovanni, der Besitzer der Wohnung, zeigte uns zunächst wo wir alles fanden, erklärte uns die Mülltrennung, und führte uns dann im Garten herum, der ihm gehörte und zu unserer freien Verfügung stand. Als er uns mit Prospekten mit Touristeninformationen versorgen wollte, lehnte ich lachend ab und erklärte ihm, dass wir nicht im Urlaub wären, ich zudem die Gegend nun wirklich genau kannte und warum.
    
    Er ließ sich trotzdem nicht nehmen, Strände und Restaurants zu empfehlen und gab mir dann noch seine Telefonnummer und die seiner Schwiegereltern, die im Haupthaus wohnten, in einer Wohnung, die wohl auch ihm gehörte; er selbst aber lebte und arbeitete in Neapel.
    
    Annalena hatte sich derweil kurzerhand einen Gartenstuhl und einen Aschenbecher geschnappt, rauchte schweigend und reckte ihr Kinn der mediterranen Sonne entgegen. Als Giovanni endlich alles seiner Meinung nach wichtige zum Besten ...
    ... gegeben hatte, verabschiedete er sich und beendete damit das fast typische, rauschartige Erleben, dass ich immer wieder ähnlich empfand, wenn ich nach Italien zurückkehrte, bis dann die Akklimatisierung einsetzte, und mir alles völlig normal vorkam.
    
    "Gibst du mir auch eine?", fragte ich Lenny und mich, wie sie das wohl alles empfunden hatte. Sie hatte die Augen geschlossen und blies kleine Rauchkringel in den strahlend blauen Frühsommerhimmel. Zu meiner Überraschung schüttelte sie den Kopf.
    
    "Nee, kommt nicht in Frage. Du rauchst nicht mehr."
    
    Nun war ich ehrlich verblüfft, aber irgendwie auch fast dankbar. Sie drehte mir den Kopf zu und öffnete die Augen. Wie jung sie doch war, und ausnahmsweise mal allem schnoddrigen Gehabe abhold, wirkte sie auf einmal erschreckend unschuldig. So hatte ich sie nie gesehen oder erlebt. Irgendetwas schien sie zu beschäftigen. War es die Baggerei von Paolo gewesen?
    
    "Hast du die Wohnung ausgesucht?", quizzte sie mich und sah mich dabei ganz fest an.
    
    "Nein, das war Frau Clausen... wieso, gefällt sie dir nicht? Unser Budget ist knapp, wie du weißt..."
    
    "Nee, die ist prima, der Garten ist traumhaft..."
    
    Sie pausierte etwas dramatisch und drückte die Zigarette aus. Dann kam das kühne Grinsen in ihr Gesicht zurück.
    
    "... und das tolle Doppelbett ist sicher groß genug für uns zwei."
    
    Was? Wie konnte ich das übersehen haben? Natürlich, da war das große Bett auf der einen Seite und ein Sofa auf der anderen. Irgendwie war ich davon ...
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