1. Dorfgeflüster 05


    Datum: 25.02.2023, Kategorien: Betagt,

    ... bitte. Was macht die Liebe, Jenny?"
    
    - Marianne ist immer so herrlich direkt. Aber das ändert nichts daran, dass es in diesem Kaff nur Idioten gibt. Ich glaube ich bleibe ewig Jungfrau -
    
    „Ach, du weißt doch wie das ist. Hier gibt es nicht viel zu holen."
    
    Marianne spitzte die Ohren. Die gute Jenny war also noch Jungfrau. Wie unschuldig. Geradezu süß. Da kommt man ja auf Gedanken...
    
    „Kopf hoch, irgendwann kommt der Richtige. Außerdem lassen wir Frauen uns doch nicht unterkriegen, oder?"
    
    - Nein, natürlich nicht. Aber ich muss mal aus diesem Kaff hier raus -
    
    „Auf keinen Fall, Marianne."
    
    „So ist es richtig. Ich danke dir und wünsche dir noch einen schönen Tag."
    
    „Danke Marianne. Dir auch."
    
    - Wo nimmt sie nur all diese Gelassenheit und gute Laune her. Sie ist doch ganz alleine. Dafür wirkt sie wirklich ziemlich normal. Ob ich ihr mal meine Hilfe im Haushalt anbieten sollte? -
    
    „Ach Jenny, da wär noch was. Ich könnte langsam wirklich etwas Hilfe im Haushalt brauchen. Staubsaugen, wischen, putzen und so. Falls du Interesse hättest? Ich bezahle natürlich dafür."
    
    - Na wenn das kein Zufall ist. Mehr Geld kann ich auf jeden Fall gebrauchen. Und ein wenig putzen... -
    
    „Ja klar, das mache ich gerne."
    
    „Wunderbar. Dann melde ich mich nächste Woche nochmal bei dir. Du hast da übrigens eine sehr schöne Kette. Die war sicherlich nicht billig."
    
    Jenny wurde rot.
    
    - Wenn du wüsstest. Die war gar nicht billig. Aber zum Glück weißt du ja nicht, dass ich ...
    ... das Geld hier aus der Kasse genommen habe, wenn Robert das erfährt bin ich tot -
    
    „Danke, dann sag mir einfach Bescheid."
    
    „Das mache ich, mach's gut, Jenny."
    
    Marianne trat auf die Straße. Die kleine Jenny war also eine Diebin. Eine jungfräuliche Diebin. Wer hätte das gedacht. Sollte Marianne das vielleicht ausnutzen? Zumindest konnte es nicht schaden diese Information zu haben.
    
    Marianne überlegte all die Geheimnisse aufzuschreiben, um einen Überblick zu behalten. Ja, das würde sie tun. Vergnügt ging sie nach Hause. Dort holte sie sich ein Notizbuch und schrieb auf jede Doppelseite einen Namen. Darunter notierte sie stichpunkteartig alle kleinen Informationen, die sie über die betreffende Person hatte. Da waren Felix, Lutz, Hannes, Tanja, Katja, Janine, Jenny, Klaus und Petra. Alle hatten ihre kleinen Geheimnisse. Und nur Marianne wusste von allen. Wissen ist macht, dachte sie. Aber wissen kann auch belasten. Sie musste vorsichtig sein.
    
    Am nächsten Tag klingelte es vormittags an der Tür. Es war tatsächlich Felix.
    
    „Hallo Marianne."
    
    „Hallo Felix. Freut mich dich zu sehen."
    
    - Ich kann sie gar nicht anschauen. So peinlich ist das. Sie hat mich doch jetzt nackt gesehen und sogar angefasst -
    
    „Na komm doch erstmal rein. Du scheinst dich ja noch immer nicht erholt zu haben."
    
    „Ich fahre morgen wieder nach Hause."
    
    - Dann hab ich wenigstens Abstand und muss nicht die ganze Zeit an dich denken -
    
    „Das hab ich schon gehört. Ich war gestern bei deinem ...
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