1. Puppenliebe


    Datum: 30.07.2023, Kategorien: Sonstige,

    ... so!", gab ich zurück und hoffte danach Ruhe zu dem Thema zu haben. "Das ist ein Argument. Weil es so ist. Was Besseres fällt dir wohl nicht ein!"
    
    Langsam gruselte ich mich vor mir selber. Die Stimme, die mich anfänglich mit einzelnen Worten angesprochen hatte, begann mit mir zu diskutieren. Eigentlich verrückt und ich fragte mich, ob ich aus einem nicht bekannten Grund, irre wurde. Bis vor wenigen Tagen hätte ich das ausgeschlossen und war mir sicher, dass es nicht in der Geschwindigkeit ging.
    
    In diesem Moment kam mir ein Vergleich in den Sinn, der mich beruhigte.
    
    Ich konnte mich gut daran erinnern, dass ich als Kind ein Kasperletheater hatte und sobald ich meine Finger in die Figur steckte, bekam sie eine Art Eigenleben. Sie sagte Dinge, die ich ohne sie niemals über die Lippen bekommen hätte.
    
    Hier war es zwar anders, steckte keine Hand in Prinzess, im Prinzip war es dasselbe.
    
    Im Nachhinein kann ich nicht sagen, dass es mir geschadet hätte, bis auf einige bissige Kommentare meiner Eltern, wenn es Kasper übertrieb. Er hatte ein loses Mundwerk, schreckte vor den schlimmsten Wörtern nicht zurück. Das kam nicht gut an. Zum Glück war das Interesse an dieser Sache kurz und ich lief nicht Gefahr, mir ernsthaft was einzufangen.
    
    In meinem Haus war ich alleine und konnte niemandem damit auf die Nerven gehen, einmal davon abgesehen, ging es niemanden was an, wenn ich mich mit einer Puppe unterhielt. Andere Menschen sprachen auch mit ihren Tieren und das waren oft ...
    ... weder Hund noch Katze, gelegentlich kommunizieren sie mit toten Gegenständen. Wer sprach sich davon frei, niemals mit seinem Computer oder Auto gesprochen zu haben. Meistens, wenn sie nicht funktionierten, wie sie sollten.
    
    Das spielte keine Rolle. Daher entschied ich mich dazu, weiterhin mit Prinzess zu reden und beruhigte mich selber damit und war mir sicher, dass es besser war, mit Puppen zu sprechen, als auf die Straße zu gehen und Menschen zu nerven oder Schlimmeres.
    
    Außerdem ging es niemanden an, was ich in meinen eigenen vier Wänden trieb. Dies war das stärkste Argument für mich.
    
    "Ich möchte mehr!", schreckte mich die Stimme aus meiner Überlegung und ich runzelte die Stirn. "Was?", fragte ich kurz und bündig, schaute Prinzess in das unschuldig wirkende Gesicht.
    
    "Mehr zum Anziehen. Du kannst doch eine Frau wie mich nicht immer in derselben Kleidung herumsitzen lassen. Wie sieht das denn aus?"
    
    "Du bist keine Frau, sondern eine Puppe!", sagte ich gereizt zurück, und Prinzess verstummte für einen Moment.
    
    "Das war nicht nett!", hörte ich zwanzig Sekunden später in einem mauligen Ton. "Nein!", gab ich zu und ging zu ihr, setzte mich neben sie und hob sie vor mir hoch. "Was möchtest du denn gerne haben?"
    
    "Lass uns im Computer suchen. Das war toll!", hörte ich mit einer fröhlicheren Stimme. "Gut, heute Abend. Wie wäre es im Bett. Jetzt muss ich arbeiten!"
    
    "Warum?"
    
    "Weil ich sonst kein Geld verdiene und dir dann keine neuen Kleider machen kann, darum!" ...
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