1. Puppenliebe


    Datum: 30.07.2023, Kategorien: Sonstige,

    ... neugierig.
    
    "Das ist viele Jahre her. Meine Augen sind schlecht geworden, meine Hände zittern und tun nicht mehr das, was sie sollten. Wenden sie sich bitte an jemanden anderen!"
    
    Mir war klar, dass sie auflegen wollte und das konnte ich nicht zulassen.
    
    "Bitte Frau Kringel, ich suche nach Informationen über historische Puppenkleider!"
    
    Zu meiner Erleichterung hörte ich nicht, dass sie auflegte, stattdessen entstand eine kleine Pause mit bekanntem Atmen.
    
    "Gehen sie in ein Museum. Dort wird man ihnen helfen!" "Dort wird man mir wahrscheinlich nichts sagen über die Herstellung, wer sie genäht hat, welche Stoffe verwendet wurden. Ihre Erfahrungen damit würden mich schnell weiterbringen!"
    
    "Schnell weiterbringen!", wiederholte sie mit nachdenklicher Stimme.
    
    "Junger Mann, schnell, ist nichts mehr für mein Alter. Aber ich will für sie eine Ausnahme machen. Lange habe ich mich nicht mehr mit Menschen über das alte Handwerk unterhalten. Kommen sie, wenn sie möchten. Ich bin zuhause. Bitte klingeln sie drei Mal, es wird dauern, bis ich an der Tür bin!", sagte sie und lege, ohne ein weiteres Wort, auf.
    
    Nachdenklich hielt ich mein Smartphone in der Hand, sah auf das leuchtende Display und legte es erst beiseite, als dieses in den Sparmodus ging und ich nachgesehen hatte, wie spät es war.
    
    Ich nahm mir vor, Frau Kringel am nächsten Tag zu besuchen. Ohne ihre Meinung zu dem, was ich schreiben wollte, konnte ich nicht an meinem Roman weiterarbeiten.
    
    Am nächsten ...
    ... Tag, am späten Vormittag, machte ich mich auf den Weg, fuhr zu der angegebenen Adresse und sah mich verwundert um.
    
    Die Backsteinhäuser, an der Adresse waren ausnahmslos in Reihe gebaut worden und aus einer anderen Zeit, wahrscheinlich vor dem Ersten Weltkrieg entstanden. Typisch für die Zeit war die Bauweise. Hochparterre mit Souterrain, in die jeweils eigene Treppen führten. Ich hatte es oft in alten Filmen gesehen. Besonders hatte mir gefallen, wenn im untersten Geschoss ein kleiner Laden, vielleicht ein Krämer oder Bäcker seine Waren anbot.
    
    Ich lächelte über die Bilder in meinem Kopf und stieg aus meinem Wagen aus, trat auf das Gebäude zu und entdeckte das Namensschild von Frau Kringel am Hochkeller.
    
    Vier Stufen stieg ich herunter, drücke auf einen Klingelknopf aus Messing, der lange nicht mehr geputzt worden war. Er war leicht oxidiert, hatte eine grünliche Färbung angenommen.
    
    Ich hörte eine altertümliche Klinge läuten und wartete längere Zeit, wie mir Frau Kringel geraten hatte.
    
    Nach einer Minute, gerade als ich meinen Finger erneut auf den Knopf legen wollte, hörte ich wie ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde. Die Tür ging langsam auf und vor mir stand eine gebeugte Frau, weiße Haare, trübe Augen, die mich von unten herauf ansah und sich dabei auf einen Gehstock stützte.
    
    "Ja!", vernahm ich das bekannte, lang gezogene Wort und wusste augenblicklich, dass es sich um Frau Kringel handelte.
    
    "Frau Kringel, mein Name ist Bauer, ich hatte sie wegen der ...
«1234...98»