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Das Refugium - Complete 000 - 015
Datum: 22.11.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,
... abstechen bei euch irgendwie in der Familie?", versuchte Manfred einen Witz, aber dann traf Lisa in die Vene und eine halbe Minute später hatte ihn das Medikament ausgeknipst. „So weit, so gut", atmete Lisa auf, „das hat ja gar nicht so schlecht geklappt." Die nächsten Schritte waren noch recht trivial. Sie sollte die OP-Umgebung optimal vorbereiten. Sie tauschte die Spritze gegen eine Kanüle und hängte mit Hilfe eines herbeigeschafften Bürostuhls einen Tropf an, der die Betäubung aufrecht erhielt und allerlei andere nützliche Substanzen in Manfreds Kreislauf einspeiste. Dazu musste sie nur etwas Wasser in Kunststoffbeutel einfüllen, und das richtige „Brausepulver" darin auflösen. Sie lagerte Manfred auf dem Bauch liegend, damit Blut aus seiner Lunge abfließen konnte, und brachte Pads mit Sensoren auf seinem Rücken an. Auf dem Tablet flammte nach jedem Pad ein Fenster auf. Offensichtlich wurden Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und andere wichtige Parameter angezeigt. Lisa holte noch einige Schreibtischlampen herbei um für besseres Licht zu sorgen. Dann kam der Programmteil „Anamnese" dran. Lisa musste in der Stationshilfe nachschlagen, was das bedeutete. Zu ihrem Erstaunen lernte sie, dass das Tablet weit mehr konnte als nur Informationen ausgeben. Sie nahm es samt dem Dreibein, und führte es nach Anweisung mehrmals Manfreds Körper entlang, erst über seinen Rücken, dann seitlich. Nach dem dritten oder vierten Durchgang flammte auf dem Bildschirm eine 3D ...
... Darstellung von Manfreds Körper auf. In der Darstellung sah man deutlich und rot blinkend umrandet die riesige Scherbe, die Marianne in Manfreds Rücken gerammt hatte. „Mein Gott", dachte Lisa, „sie reicht fast ganz durch bis nach vorne." Sie berührte den markierten Bereich auf dem Tablet, und das Bild zoomte die Scherbe heran. Ein Fenster wurde eingeblendet: „Fremdkörper eingedrungen. Lebensgefahr. Verbringung in geeignete Einrichtung dringend empfohlen. Transport anfordern? Ja/Nein.". Ohne zu zögern wählte Lisa „Nein". Die nächsten zwei Stunden waren die Längsten ihres Lebens. Erst einmal band Lisa ihre langen Haare zu einem Pferdeschwanz zurück, so hatten es die Ärztinnen in den Serien auch immer gemacht, und desinfizierte ihre Hände und den Bereich um Manfreds Wunde herum. Sie berührte erstmals probeweise die Scherbe, sie steckte fest eingekeilt in Manfreds Körper und ließ sich keinen Millimeter bewegen. Dann schuf Lisa unter Anleitung des MediBots und mit Hilfe der Anweisungen die sie über den Controller aus der Stationshilfe abrufen konnte einen Zugang, indem sie die Schnittwunde, in der die Scherbe steckte, mit einem Skalpell einige Zentimeter in jede Richtung verlängerte. Mit Hilfe von Spreizern bog sie seine Rippen, zwischen denen die Scherbe eingekeilt steckte, so weit es ging auseinander. Probeweise bewegte sie die Scherbe ein wenig hin und her und konnte fühlen, dass sie jetzt frei beweglich war. Sie widerstand dem Impuls sie sofort herauszuziehen und hielt ...