1. Das Refugium - Complete 000 - 015


    Datum: 22.11.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... sich exakt an die Anweisungen auf den Bildschirmen.
    
    Dort häuften sich bedrohliche Meldungen. Die Lunge war angekratzt, Blutgefäße waren verletzt und mussten unverzüglich genäht werden, sonst würde Manfred innerhalb kürzester Zeit verbluten, sobald die Scherbe heraußen war. Unter stetiger Anleitung führte sie Endoskope mit Kameras und medizinischen Instrumenten immer tiefer in die Wunde ein, und lernte fasziniert, dass sie nur die Werkzeuge anwählen, ungefähr an die richtige Stelle führen und dann ruhig festhalten musste. Den Rest machte der Computer, kleine Greiferchen zogen durchtrenntes Gewebe und verletzte Blutgfäße zu sich heran, wo sie dann automatisch vernäht und verklebt wurden.
    
    Anfangs zitterten Lisas Hände so sehr, dass der MediBot mehrmals nachfragte, ob sie Hilfe brauchte. Gehorsam lehnte Lisa jedes Mal ab, obwohl sie innerlich um Hilfe schrie wie ein kleines Kind aus Angst vor einem Gewitter.
    
    Aber je länger die Prozedur dauerte, und je offensichtlicher die Erfolge wurden, weil die Blutung aus Manfreds Rücken und aus seinem Mund stetig weniger wurde, umso sicherer wurde Lisa, und sie führte die Werkzeuge schließlich ruhig und präzise von einer Baustelle zur Nächsten. Sie folgte exakt den Angaben, die ihr das Tablet einspielte, und arbeitete sich immer weiter zur Spitze der Scherbe vor.
    
    Als sie gerade wieder mehrere kleinere Blutgefäße geflickt hatte, zoomte die Kamera auf die nächste Verletzung, Blut wurde abgesaugt, und ihr Herz blieb fast stehen vor ...
    ... Schreck. Die Scherbe hatte ein großes Blutgefäß glatt durchbohrt, und an ihren Rändern sprudelte im Rhythmus von Manfreds Herzschlag Blut heraus.
    
    Schnell überflog sie die Liste der nächsten Arbeitsschritte. Sie musste das Gefäß etwas vor und hinter der Verletzung abklemmen, dann hätte sie etwa 20 Minuten Zeit, danach würde Manfred bleibende Schäden an dem unversorgten Gewebe erleiden. Sie nahm sich nicht die Zeit nachzusehen, wo das verletzte Gefäß hin führte. Sie musste also etwas Platz schaffen um das Gefäß frei zu legen. Danach musste der Fremdkörper entfernt werden. Das Blutgefäß wurde dann mit einer Manschette, die außen herum gelegt und mit einer Art Reißverschluss zu einem geschlossenen Ring verbunden wurde stabilisiert. In den Enden eingebrachte Widerhaken und umlaufende Klebstoffstreifen sollten es in der Manschette festhalten und abdichten.
    
    Lisa ging alle Schritte bis zum Setzen der Klemmen noch einige Male am Bildschirm und im Kopf durch. Ihr war klar, dass sie sich damit beeilen musste, denn die Kurve mit Manfreds Blutdruck ging langsam aber stetig nach unten. Sie beschloss, dass die Blutung zu stoppen vordringlich war, und machte sich an die Arbeit. Sie schuf dem verletzten Gefäß entlang ein wenig Platz, und setzte dann, als hätte sie das schon hundert Mal getan, vor und nach der Verletzung eine Klemme. Sofort hörte das Blut auf, aus der Verletzung zu sprudeln, und Lisa atmete einmal tief durch, geschafft.
    
    Aber nun begann unerbittlich die Uhr zu ticken, ...
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