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Das Refugium - Complete 000 - 015
Datum: 22.11.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,
... als nächstes musste die Scherbe heraus. Der MediBot war keine Hilfe, „Fremdkörper entfernen", stand da lapidar. Aber wie? Das Ende war glitschig vom Blut und sie konnte nicht genügend Kraft aufbringen, um das Glas herauszuziehen. Sie könnte es mit einer Zange versuchen, aber dann würde die Scherbe vielleicht zerbrechen und den Schaden noch größer machen. Verzweifelt dachte sie nach, und wünschte sich, Frag-Mutti oder wenigstens Youtube wären noch erreichbar. Vielleicht hätte es da einen Heimwerker-Tipp gegeben, wie man blutige Glasscherben aus menschlichen Körpern herausziehen konnte? Schließlich hatte Lisa die zündende Idee, sie machte die Scherbe am Ende sorgfältig sauber und trocken, und wickelte sie dann dick mit selbstklebendem Tape aus dem Verbandszeug ein. Sie kannte es vom Reiten, ihr Trainer hatte damit das Fußgelenk ihres Reitpferdes ruhig gestellt, nachdem es sich vertreten hatte. Dann nahm sie eine Zange, packte entschlossen das bandagierte Ende der Scherbe und zog mit Kraft an. Mit einem ekelhaft schmatzenden Geräusch kam die Scherbe heraus, und Lisa warf sie angewidert weit von sich. Sie hörte sie irgendwo auf dem Boden zersplittern, egal, dass Manfred sie sich später um den Hals hängen wollte war eher unwahrscheinlich, sollten sich die CleanerBots darum kümmern. Ein Blick auf die Zeit sagte ihr, dass sie gut im Plan lag. Da die Scherbe nun aus dem Weg war, kam sie schneller vorwärts, führte die Manschette um die Flickstelle herum und sah fasiniert ...
... zu, wie Minispritzen zusätzlichen Klebstoff einfüllten und kleine Greiferchen den Verschluss zumachten. Dann legten sich Heizelemente an die Enden der Manschette und begannen, den Kleber, der durch Wärme fest wurde, auszuhärten. Nach etwa 2 Minuten bekam sie vom MediBot die Anweisung, die Klemmen etwas zu öffnen um das Gefäß von innen unter Druck zu setzen. Das sorgte dafür, dass es sich sauber in die Manschette legte, und die abgeklemmten Körperregionen bekamen wenigstens ein wenig Blut zugeführt. Sie tat es, und als nächstes sollte sie das Tablet noch einmal scannen lassen, so kontrollierte das System, ob alles schön richtig saß und dicht war. Es sah alles gut aus. Lisa folgte den weiteren Anweisungen, die Aushärtezeit sinnvoll zu nützen. Zum ersten Mal folgte sie dem Wundkanal bis zum Ende. Die Scherbe war tatsächlich durch den gesamten Brustkorb gedrungen und erst an der Innenseite einer der vorderen Rippen zum Stehen gekommen. Lisa fand aber keine weiteren größeren Verletzungen mehr. Lisa führte ein Endoskop mit Reinigungsgeräten ein, und das Gerät saugte auch kleinste Verunreinigungen und Glassplitterchen auf. Ein sanfter Gongton lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Tablet, der Kleber war fertig ausgehärtet, und der MediBot wies sie an, die Klemmen zu entfernen und die Geräte aus Manfreds Körper zurückzuziehen. Als vorletztes kam das Reinigungsgerät heraus, gefolgt von einem Näh-Werkzeug das den Wundkanal hinter sich verschloss. Danach folgte noch einmal ein ...