1. Das Refugium - Complete 000 - 015


    Datum: 22.11.2023, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,

    ... beendet hatten war längst alles gelaufen. Die Schnellen fressen bevorzugt die Langsamen. Die Marauder haben sie abgeschlachtet wie die Schafe bevor sie überhaupt dazu kamen, einen ernsthaften Widerstand zu organisieren."
    
    "Die Diktaturen haben sich als robuster erwiesen, die Regierungen Russlands, Chinas sowie der Großteil Afrikas sind weitgehend intakt geblieben. Das lag sicher daran, dass sich dort ein Großteil der Typen, die es zu Maraudern hätten bringen können, nicht in den Gefängnissen, sondern bereits im Staatsdienst befunden hat. Den gut organisierten Geheimdienst- und Polizeiapparaten gelang es, die aufflammenden Unruhen zu unterdrücken. Sie waren ja seit vielen Jahren geübt darin, Aufstände niederzuschlagen.
    
    Inzwischen haben sie so eine Art stillschweigende Übereinkunft mit den Maraudern, schließlich sind sie sich in ihren Ansichten, wie die Welt regiert werden sollte, weitgehend einig. Man lässt sich gegenseitig in Ruhe, sie machen sogar Geschäfte miteinander. Meistens geht es dabei um Waffen, welche die Marauder nicht selber herstellen können."
    
    "Und was liefern die Marauder im Gegenzug?", fragte Lisa.
    
    "Menschen", antwortete Manfred.
    
    "Arbeitssklaven. Wen die Marauder nicht umbringen, verkaufen sie als Zwangsarbeiter. Die Männer für die schweren Arbeiten, die Frauen als Hilfskräfte oder, wenn sie dazu taugen, als Lustsklavinnen. Die Kinder kommen in staatliche Umerziehungsheime und werden dort zu fanatischen Soldaten und gehorsamen Staatsbürgern ...
    ... zweiter Klasse erzogen. Wer nicht spurt, wird zurück zu den Maraudern geschickt, als Material zum Üben für die Machetenkämpfe."
    
    Lange schwiegen beide bedrückt. Wie dünn und löchrig doch die Decke der Zivilisation wurde, wenn man nur die Rahmenbedingungen ein wenig zum Schlechteren veränderte.
    
    "Und jetzt lass uns weiter die Station besichtigen, es nützt ohnehin nichts, die Welt ist, wie die Welt eben ist", sagte Manfred schließlich, und verscheuchte die trüben Gedanken.
    
    Der nächste Bereich, den sie besichtigten, war das Kraftwerk. Es lag ein wenig abseits, weil die schweren Turbinen, obwohl sie schalldämmend gelagert waren, doch einigen Lärm erzeugten. Als sie das Tor zur Turbinenkaverne durchfuhren, begrüßte sie ein beruhigendes, monotones Summen, und im aufflammenden Licht erblickte Lisa zum ersten Mal das Lebenszentrum der Station. Nebeneinander standen acht der riesigen Energieerzeuger, jede eine Kombination aus Turbine und Generator, verbunden durch eine glänzende, rotierende Welle. Den Hintergrund der Kaverne füllten Schaltschränke und riesige Transformatoren. Manfreds geübter Blick glitt routinemäßig über die Anzeigen und Kontrollampen, es wurde nirgends auch nur die geringste Störung angezeigt.
    
    Gerne erinnerte er sich noch an das Ereignis vor etwas mehr als einem Jahr, als eine der Turbinen Gefahr lief, auseinanderzufliegen. Die Überwachung erkannte allerdings rechtzeitig unübliche Vibrationen und stoppte sofort den Wasserzufluss, und die Turbine lief langsam und ...
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