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Valyna 02: Der Zweikampf
Datum: 23.03.2024, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie,
Hier ist die Fortsetzung von „FLUCHT AUS DEM VERLIES". Ich empfehle, die vorangegangene Geschichte zuerst zu lesen, um die handelnden Personen und ihre Beziehung zueinander kennenzulernen. „Nein, das glaube ich nicht!" Laureanas Schrei hallte in dem weitläufigen Verlies wider. „Prinz Heinrich würde das, was ihr behauptet, niemals tun. Er ist mir versprochen und seine Ehre ist untadelig. Sich mit euch zu Schandtaten hinreißen zu lassen, ist für ihn undenkbar." „Und doch tat er es." Der Satz troff vor Genugtuung und Häme. Valyna weidete sich an den Qualen ihrer Gefangenen, die sich der unausweichlichen Wahrheit zu verweigern suchte. In jeder kleinen Einzelheit und jedem pikanten Detail hatte sie Laureana berichtet, was geschehen war, seit sie den Prinzen erstmals verführt und seinen Geist umwölkt hatte. Besondere Aufmerksamkeit widmete sie den Passagen, die außerhalb der bisherigen Erlebniswelt der unschuldigen jungen Frau lagen, um sicher zu gehen, dass diese verstand, was der Prinz und sie miteinander getrieben hatten. Die Hexe war nun sicher, dass Laureana trotz mangelnder einschlägiger Erfahrung sich jede Szene bildhaft vorstellen konnte und ihre Fantasie die fehlenden Mosaiksteine farbenfroh und lebendig ausschmückte. „Ich werde dir niemals glauben, du lügnerische Ausgeburt der Hölle! Es sei denn, ich sähe es mit meinen eigenen Augen, dass mein Prinz solcherlei Ungeheuerlichkeiten mit dir vollzieht. Aber das wird niemals geschehen." Mit einem ...
... dämonischen Lachen, das ebenso viel Amüsiertheit wie Hochmut ausdrückte, wandte sich Valyna von ihrem Opfer ab. „Nun, wir werden sehen," murmelte sie kaum hörbar. * Prinz Heinrich stand im dichten Wald, dort wo die Zauberin sich vor seinen Augen in einen Vogel verwandelt hatte und davongeflogen war. Seit sie aus seiner Sicht verschwunden war, grübelte er darüber nach, was er als nächstes unternehmen könnte. Seine Optionen waren jedoch schmerzlich reduziert. Nackt, ohne Waffe, Ausrüstung oder Pferd stand er fernab aller Straßen in einem unbekannten Gehölz, weder wissend, wo exakt er sich befand, noch in welcher Richtung er auf schnellstem Wege Hilfe finden würde. Verstand und Vorsicht geboten ihm, sich zurückzuziehen, neu zu bewaffnen und gestärkt und bereit ein weiteres Mal auf die verborgene Festung vorzurücken. Sein Herz aber riet ihm anderes. Die geliebte Laureana länger als nötig in den Fängen der bösen Fee zu lassen, nachdem er schon einmal bis zu ihrem Kerker vorgedrungen war, wollte er sich nicht vorstellen. Entschlossen machte er sich mit bloßen Füßen auf in die Richtung, wo der hohe, steinerne Turm bisweilen durch das grüne Blätterdach zu erahnen war. Stunden wanderte er unter Baumriesen entlang und durch Dickichte, bis er sein Ziel erreichte. An der breiten Pforte der Umfriedung von Valynas Refugium angekommen, hämmerte er mit der Hand gegen das dicke, spröde Holz. Üppig sprießender Efeu umrankte das Tor und verlieh ihm den Anschein, als handele es sich um ...