1. Offen 01


    Datum: 07.04.2024, Kategorien: Sonstige,

    ... hatte, oft jonglieren.
    
    Vorher waren unsere Abende gleichförmig nebeneinander her verlaufen. Anne saß am Computer und ging ihren Hobbies und Leidenschaften nach, ich lag auf dem Sofa und las oder sah fern. Früher hatten wir das gemeinsam getan und dabei selbstverständlich Zärtlichkeiten getauscht oder hatten Sex, wenn uns danach war. Seit das Kind da war, war das anders.
    
    Das Kind war der Mittelpunkt unseres Lebens geworden. Eines anstrengenden, stressigen Lebens. Freizeit hatten wir eigentlich erst, wenn das Kind im Bett war. Die jeder für sich nutzte, Anne schaute maximal mit einem Auge mit, wenn ich einen Film oder eine Serie anmachte, da sie nebenbei am Computer Fotos bearbeitete, oder an ihren Geschichten schrieb.
    
    Oder Reisen plante. Oder sich in Foren herumtrieb. Oder Sprachen lernte. Oder ihre Klettergruppe organisierte. Oder irgendeine andere der tausend Tätigkeiten ausübte, die vor allem die Gemeinsamkeit hatten, dass sie nichts mit mir zu tun hatten. Ich erlebte dies nicht einmal als Manko. Ich war eigentlich froh gewesen, dass ich in Ruhe gelassen wurde.
    
    Frau Sänger war nicht anzusehen, was sie über diese Geschichte dachte. Sie schien zu überlegen, wo sie jetzt ansetzen sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir über unsere Beziehung referiert, Inhalte von Streitgesprächen und unser Erleben bestimmter Situationen wiedergegeben.
    
    Anne hatte mitgeteilt, dass sie darunter litt, dass wir kaum noch Sex hatten und ich auch nicht mehr liebevoll oder zärtlich ...
    ... mit ihr umging. Durch diese Date-Abend-Geschichte hatten wir nun wieder wenigstens einmal wöchentlich Sex.
    
    Der mich langweilte. Nicht ausfüllte. Anne war passiv. Das hing damit zusammen, dass sie einen Vergewaltigungs-Fetisch hatte. Beziehungsweise Rollenspiele dieser Art mochte, selbstverständlich wollte sie nicht realiter vergewaltigt werden. Am Anfang hatte ich einige Rollenspiele dieser Art mit ihr durchgezogen, sie ihren Wünschen folgend gefesselt und hart genommen.
    
    Für so aufwändige Geschichten hatten wir natürlich keine Zeit mehr, als das Kind kam. Es wurde daher, wenn es mal passierte, eher "normaler" Sex, etwas wilder halt und Anne blieb dabei so passiv, wie sie es als "Opfer" war.
    
    Der Dreier mit dem Typen ging auch in diese Richtung, das heißt es ging noch nicht um richtig harte Rollenspiele, mehr so Richtung Dominanz. Einmal mehr erlebte ich dabei, dass ich mich wie ein schlechter Schauspieler in diesen Rollen fühlte.
    
    Der Typ hingegen war schon so drauf. Mir brachten diese Geschichten nichts, ich machte mit, weil ich es für Anne tat. Es war nicht meine Welt, ich war nicht der Typ dafür. Daher auch die Erlaubnis, den Typen ohne mich zu sehen.
    
    "Sie halten es für eine gute Idee, in dieser Situation, wo sie sich gerade wieder aneinander annähern, einen solchen Schritt zu tun?", kam die versteckte Kritik der Therapeutin. Oder so empfand ich es zumindest.
    
    "Ich halte es für eine gute Idee, endlich offen und ehrlich miteinander umzugehen. Ja, wir nähern ...