1. Brauchtumspflege


    Datum: 04.02.2026, Kategorien: BDSM

    ... besessen, mehr über dieses Jokovolt herauszufinden. Während am 5. Dezember, dem Vorabend des Nikolaustags im Rest von Deutschland Kinder ihre geputzten Stiefel herausstellten, um sie am nächsten Morgen gefüllt mit Schokolade vorzufinden, hatten auf Krubom offenbar die einheimischen Frauen einen großen Spaß daran, sich von einer Horde junger Männer über die Straßen jagen, einfangen und den Hintern versohlen zu lassen. Das könnte genau das sein, was ich mir immer schon ausgemalt hab, dachte sich Franziska. Bis nach Mitternacht recherchierte sie weiter. Die begrenzte Anzahl an brauchbaren Informationsquellen im Internet zum Jokovolt resultierte wohl daraus, dass die Krubomer auf ihrer abgelegenen Nordseeinsel penibel darauf bedacht waren, ihr spezielles Fest nicht an die große Glocke zu hängen. Immerhin ist Krubom zu fast 100 Prozent vom Tourismus abhängig, da kann man schlechte Presse und bundesweite Empörung nicht gut gebrauchen. Offenbar hatte sich 1987 ein Fernsehteam eines Reportagemagazins zu Jokovolt auf die Insel getraut. Sie wurden von einer Überzahl Einheimischer vom Geschehen abgedrängt und mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen. An anderer Stelle berichtete ein Sprecher des Deutschen Presserats, dass Presseanfragen zum Thema Jokovolt an Bürgermeister, Polizeichef und sogar die Gleichstellungsbeauftragte der Insel Krubom regelmäßig abgeblockt werden und ins Leere laufen. Schließlich fand Franziska doch noch einen bereits 25 Jahre alten kurzen Bericht eines ...
    ... auf norddeutsches Brauchtum spezialisierten Ethnologen. Während ausschließlich auf Krubom geborene Männer Jokovolt werden konnten, galt diese Einschränkung nicht für die gejagten Frauen. Jede Frau, die sich an diesem einen Abend im Jahr auf offener Straße aufhielt, ob Einheimische oder Auswärtige, war Freiwild für die Männer der Insel, natürlich vollkommen gesellschaftlich akzeptiert, schließlich handelt es sich um lokales Brauchtum mit langer Tradition. Brauchtumspflege war schon etwas Feines. Aufgeregt nahm Franziska einen großen Schluck vom Tee. Pfui, der ist ja total kalt! Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte ihr, was sie eigentlich schon längst wusste. In weniger als 5 Stunden würde der Wecker klingeln und der nächste Arbeitstag beginnen. Schnell speicherte sie die gefundenen Seiten als Favoriten und murmelte vor sich selbst hin „Jokovolt, Jokovolt auf Krubom“, als traute sie der Favoritenleiste ihres Browsers nicht und hätte Angst, das gefundene über Nacht zu vergessen.
    
    Beep, Beep, Beep, Beep. Der Wecker riss Franziska aus dem Schlaf. Die Nacht war kurz gewesen und voller erregter Träume, in denen sie von verkleideten Männern durch die Straßen gejagt wurde, angefeuert von umstehenden Männern und Frauen, die riefen „opfere dich dem Jokovolt, es ist unsere Tradition“. Wie eine Schlafwandlerin machte sich Franziska fertig und schaffte es irgendwie bis ins Büro. Es war die letzte Woche der Sommerferien, sodass es bei der Arbeit noch ziemlich ruhig war. Viele Kollegen mit ...
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