1. Jeder Anfang ist der Anfang von einem Ende. © Walter Ludin


    Datum: 25.03.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... ineinander verschränkt. Die Luft war zum Schneiden dick. Jeder Blick, jedes Geräusch hallte in der Stille wider. Einige Minuten später kam Dr. W. dazu. Er war noch ernster als am Telefon. Seine Miene war ausdruckslos, seine Augen musterten die drei Anwesenden.
    
    "Wer ist die dritte Person?", fragte er ruhig, aber bestimmt. Tülay stellte sich kurz vor, und damit war auch das geklärt. Dr. W. setzte sich, seine Augen ruhten auf ihnen. Tülay zitterte ganz leicht, ihre Hände verkrampften sich, und sie konnte es auch nicht abstellen. Sie hatte einfach nur Angst vor den Worten, die sie gleich zu hören bekommen würde. Selbst der sonst so coole Bülent konnte nicht ruhig sitzen, seine Beine wippten unruhig unter dem Tisch.
    
    Dr. W. machte es kurz und bündig, ohne Umschweife. "Das Blut aus dem Gefängnis stammt nicht vom Vater des Kindes", sagte er, seine Stimme war monoton, fast mechanisch.
    
    Die Drei guckten ihn an, als hätten sie Aliens gesehen. Fassungslosigkeit breitete sich in ihren Gesichtern aus. Keiner kapierte, was Dr. W. damit sagen wollte. Ein kollektives, verwirrtes Schweigen hing im Raum.
    
    Bülent war der Erste, der die Stille brach. "Ob man dem Falschen Blut abgenommen hat?", fragte er, seine Stimme klang seltsam hohl. Dr. W. schüttelte den Kopf. "Nein, das Blut stammte schon vom richtigen Mann. Aber der kann nicht der Vater des Kindes sein."
    
    Bülent wurde es jetzt doch zu bunt. Die Verwirrung wich einer drängenden Ungeduld. "Was genau meinen Sie damit, Herr ...
    ... Doktor?", fragte er, seine Stimme hob sich leicht.
    
    Dr. W. atmete tief durch. "Entweder hatte Ihre Frau mit noch einem weiteren Mann Geschlechtsverkehr, oder Sie sind der Vater!"
    
    Ein Blitz schlug ein. Bülent drehte sich abrupt zu Fatma, sein Blick war ein Gemisch aus Unglauben und Enttäuschung. Er wollte sie wirklich fragen, ob sie ihn mit einem anderen Mann betrogen hatte, ob das alles eine Farce gewesen war. Doch bevor er ein Wort herausbringen konnte, ging Tülay dazwischen, ihre Augenbrauen waren hochgezogen, ihr Gesichtsausdruck spiegelte pure Überraschung wider.
    
    "Wie kann das denn angehen, Herr Doktor?", fragte Tülay Dr. W., ihre Stimme war scharf und ungläubig. "Bülent hatte doch eine Vasektomie!" Dr. W. erklärte daraufhin auf seine medizinische, aber verständliche Art, dass eine Vasektomie kein hundertprozentiger Schutz sei. "Es kann immer wieder mal dazu kommen", sagte er ruhig. "Aber ich bin mir sicher, dass Bülent der Vater ist. Ihre Blutgruppe, die ich noch von den anderen Kindern in den Unterlagen gefunden hatte, passt zu 100 %. Wenn man dann noch davon ausgehen darf, dass Fatma Sie nicht betrogen hat, ist er der Vater."
    
    Dr. W. hielt den Mund. Selbst er spürte, dass da gerade drei Personen ihre Gedanken sortieren mussten. Die Informationen waren zu überwältigend, zu unerwartet. Bülent starrte Fatma an, eine Welle von Gefühlen brandete in ihm auf: Unglaube, dann Erleichterung, dann eine tiefe, fast schmerzhafte Freude, die sich mit der Wut auf Michael ...
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