1. Verdorben - Fang mich, wenn du kannst


    Datum: 24.04.2026, Kategorien: Reif

    ... runterbringen. Aber alles, was ich spüre, ist dieser Druck in der Brust, dieses Gefühl, dass ich am liebsten laut schreien würde, einfach weil mir alles zu viel ist. Vielleicht ist es die Hitze, vielleicht der Alkohol, vielleicht einfach dieses ganze Theater, das mich hier an den Rand der Verzweiflung bringt.
    
    Ein tiefer Atemzug, ich versuche, die Schultern zu lockern, mein Blick schweift über die Menge. Irgendwo muss doch was sein, das diesen Abend rettet. Ein Gespräch, das interessant ist, eine Begegnung, die irgendwas in mir auslöst. Ich schaue mich um und merke, wie ich unbewusst immer wieder den Rand der Feier abchecke, als würde da draußen irgendwas auf mich warten. Vielleicht hoffe ich einfach nur, dass noch irgendwas passiert, das diesen Abend irgendwie... anders macht.
    
    Ich schiebe mich durch die Leute, vorbei an den Tischen, wo die letzten Reste vom Buffet langsam vor sich hin trocknen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich noch irgendwas im Magen brauche, bevor der ganze Sekt und Wein mir vollends zu Kopf steigen. In der Küche herrscht endlich mal ein bisschen Ruhe. Die meisten Gäste sind draußen oder drängen sich auf der Terrasse, also nutze ich die Gelegenheit, mir in der leeren Küche ein paar Reste zusammenzusuchen. Ich öffne den Kühlschrank, starre auf die halbleeren Schüsseln mit Salat und aufgeschnittenem Brot, während ich mit einem Hauch von Resignation nach einem Teller greife. Irgendwo im hinteren Eck finde ich ein bisschen Käse und noch was von ...
    ... dieser fancy Quiche, die irgendjemand mitgebracht hat. Als ich die Kühlschranktür zumache, höre ich plötzlich Schritte hinter mir.
    
    "Na, auch hungrig geworden?" Die Stimme ist mir so vertraut, dass ich sofort weiß, wer da hinter mir steht. Ich drehe mich um, und da ist er - Ralf, ein langjähriger Freund meines Vaters. Er lehnt im Türrahmen, lässig wie immer, mit diesem Grinsen, das gleichzeitig freundlich und irgendwie auch ein bisschen zu sehr auf alles bedacht ist, was Spaß macht. Er hat ein Glas in der Hand, das halb leer ist, und beobachtet mich mit diesem Blick, den er immer draufhat, wenn er jemanden durchschaut.
    
    "Muss ja", sage ich und zucke mit den Schultern. "Sonst kippe ich hier gleich um."
    
    Er lacht leise, kommt näher und stellt sein Glas neben mich auf die Arbeitsplatte. "Tja, da bleibt einem nur, sich durch die Reste zu wühlen, was? Typisch bei so 'nem Fest. Am Anfang isst keiner, weil alle sich nicht trauen, und am Ende ist alles durchgeweicht."
    
    Ich zucke mit den Schultern und schneide mir ein Stück von der Quiche ab. "Ist doch immer so. Am Ende stehen die guten Sachen irgendwo versteckt im Kühlschrank und niemand weiß mehr, wer sie eigentlich mitgebracht hat."
    
    Er nimmt sich einen Löffel und stochert in einer der Schüsseln mit Kartoffelsalat herum. "Ich frag mich, wer diesen Salat gemacht hat. Sieht aus wie der von deiner Tante Herta, oder? Du weißt schon, der mit dem Essig-Dressing, das so säuerlich ist, dass es dir die Schuhe auszieht."
    
    Ich grinse. ...
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