1. Verdorben - Fang mich, wenn du kannst


    Datum: 24.04.2026, Kategorien: Reif

    ... umgelegt, den ich nicht mehr zurückdrehen kann.
    
    "Sag mal", fängt Ralf an, während er einen Blick über die Küche wirft, "hast du eigentlich auch manchmal das Gefühl, dass solche Partys immer eine Nummer zu groß für das sind, was sie eigentlich sein sollten?"
    
    Ich schaue ihn an, ein bisschen überrascht von der Frage, weil sie so untypisch ernst klingt. "Wie meinst du das?"
    
    "Na ja", er zieht eine Schublade auf, greift nach einem Messer, um sich selbst ein Stück Brot zu schneiden. "Alles immer so perfekt, oder? Alle spielen ihre Rollen, alles ist vorbereitet, und am Ende ist es immer nur Show. Manchmal frage ich mich, ob irgendwer wirklich Spaß hat, oder ob alle nur dabei sind, weil sie müssen."
    
    Ich nicke langsam. "Stimmt. Manchmal hab ich das Gefühl, alle sind mehr damit beschäftigt, wie sie wirken, als damit, was sie wirklich wollen."
    
    Er legt das Messer beiseite, nimmt einen Bissen und sieht mich dabei an. "Und was willst du wirklich?"
    
    Die Frage trifft mich unerwartet. Ich zucke mit den Schultern, spüre das Gewicht seiner Worte, als ob sie mehr meinen als nur die Situation hier. "Keine Ahnung. Vielleicht weniger Gerede und mehr echte Momente."
    
    Er grinst leicht, lehnt sich wieder zurück und mustert mich. "Tja, dann sollten wir vielleicht genau das tun."
    
    Es hängt ein Moment in der Luft, ein kurzes Schweigen, während seine Worte nachklingen. Ralf hat diese Art, Sätze so zu sagen, dass sie mehr bedeuten, als sie auf den ersten Blick scheinen. Ein Teil von ...
    ... mir will weiter darauf eingehen, will rausfinden, was genau er meint, was genau dieser "echte Moment" für ihn ist. Aber bevor ich etwas sagen kann, höre ich Schritte von der Terrasse, die in die Küche führen, und unsere kleine Blase platzt.
    
    Meine Cousine kommt rein, grinst breit und winkt uns zu. "Hey, was macht ihr denn hier? Die Party ist doch draußen!"
    
    Ich schnappe mir schnell mein Glas, nehme einen großen Schluck und tue so, als wäre nichts. "Ja, klar. Wir kommen gleich."
    
    Ralf bleibt ruhig, lehnt sich noch lässiger an die Arbeitsplatte und beobachtet mich dabei, als wüsste er genau, dass das Gespräch noch nicht zu Ende ist.
    
    Es ist, als hätte jemand die Tür zu einem Raum geöffnet, den ich längst vergessen hatte, und ich stehe auf der Schwelle und frage mich, ob ich reingehen soll. Ralf nimmt sein Glas, hebt es in meine Richtung, bevor er der Cousine folgt, und ich bleibe für einen Moment stehen, meine Gedanken drehen sich schneller als der Sekt in meinem Kopf, während ich dem leisen Klacken seiner Schuhe lausche, die in Richtung der Terrasse verschwinden.
    
    Die Küche füllt sich wieder mit Leuten, die sich Nachschub holen wollen, und die Stimmung wird noch lauter. Mein Kopf ist schon benebelt vom Alkohol und der Hitze, die in den Räumen steht, und ich sehne mich nach einem Ort, wo ich kurz durchatmen kann. Draußen ist es mittlerweile dunkel, die Lichterketten und Lampions werfen weiche Schatten auf die Wände, und die Party hat diesen Punkt erreicht, an dem die ...
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