1. Verdorben - Fang mich, wenn du kannst


    Datum: 24.04.2026, Kategorien: Reif

    ... Leute anfangen, über die Stränge zu schlagen.
    
    Ralf hatte sich wieder unter die Gäste gemischt, und ich sehe ihn drüben an der Bar, wie er mit einem Glas Wein und einem entspannten Lächeln den Witz eines Bekannten abnickt. Unser Gespräch hängt mir immer noch nach - die Art, wie er gefragt hatte, was ich wirklich will. Es hatte sich angefühlt, als würde er in mir lesen, als wäre er auf der Suche nach etwas, das er längst kannte. Ich weiß nicht, was es ist, das mich heute so unruhig macht, aber es fühlt sich an, als würde mich irgendwas zu ihm hinziehen, etwas, das ich nicht mehr ignorieren kann.
    
    Ich brauche einen Moment für mich, irgendwas Kaltes und Frisches, das mich wieder runterholt. Ich erinnere mich daran, dass in der Garage der große Getränkekühlschrank steht, den mein Vater immer für solche Anlässe füllt, und beschließe, mir dort ein kaltes Wasser zu schnappen. Die Garage ist direkt neben dem Haus, die Tür ist fast immer offen, weil ständig jemand rein- und rausläuft. Ich schiebe mich an den Leuten vorbei, nicke kurz meinem Onkel zu, der mich mit einem fröhlichen "Na, auch auf der Flucht?" anlächelt, und schlüpfe dann durch die Seitentür in den dunklen Flur, der zur Garage führt.
    
    Drinnen ist es angenehm kühl. Der Raum ist schwach beleuchtet, und der Kühlschrank summt leise vor sich hin. Ich ziehe die schwere Tür auf, die sofort einen Hauch kalter Luft herauspustet, und greife nach einer Flasche Wasser. Das leise Klirren der Flaschen im Kühlschrank füllt die ...
    ... Stille, und ich genieße für einen Moment die Ruhe. Es ist fast beruhigend, hier alleine zu stehen, abseits vom Lärm, nur das Brummen des Kühlschranks und das entfernte Murmeln der Party im Hintergrund.
    
    Ich habe die Flasche gerade an die Lippen gesetzt, als die Tür zur Garage aufgeht und jemand hereinkommt. Ich drehe mich um und sehe Ralf, wie er auf mich zukommt, in seiner typisch lässigen Art, als hätte er mich genau hier erwartet. Er bleibt stehen, lässt die Tür hinter sich ins Schloss fallen, und ich sehe ihm an, dass auch er genug von dem Trubel draußen hat.
    
    "Da bist du ja", sagt er und grinst leicht. "Ich hab dich schon gesucht."
    
    Ich setze die Flasche ab und sehe ihn an, versuche, nicht zu offensichtlich zu wirken, obwohl mein Herz plötzlich schneller schlägt. "Brauchst du Nachschub?" frage ich und deute auf den Kühlschrank.
    
    "Vielleicht", antwortet er, doch sein Blick bleibt an mir hängen, nicht an den Getränken. "Aber eigentlich dachte ich, wir könnten das Gespräch von vorhin noch zu Ende bringen."
    
    Er tritt näher, seine Präsenz füllt den Raum, und ich spüre, wie die Luft plötzlich dicker wird, schwerer, geladen mit all dem, was unausgesprochen zwischen uns steht.
    
    "Hier drin ist es fast besser als draußen", sage ich, um irgendwas zu sagen, und stelle die Wasserflasche auf die Werkbank neben mir. "Wenigstens kann man sich hier mal in Ruhe unterhalten."
    
    Er nickt und lehnt sich gegen den Kühlschrank, die Augen immer noch auf mich gerichtet. "Weißt du, was ...
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