1. Jeder geht sein Weg


    Datum: 06.05.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... sich spürbar in seiner Umarmung.
    
    Später saßen sie bei einer Tasse Kaffee, und Funda erzählte ihrem Mann alles, so wie sie sich erinnerte. Sie ließ auch ihren Traum nicht aus, und wie das Verhalten von Rolf ihren Zustand so geschockt hatte, dass sie nicht sofort reagieren konnte. Sie sah ihren Mann etwas ängstlich an, weil sie sich eine Mitschuld gab. Ali sah sie an, lächelte sie an und sagte ihr, dass sie absolut nichts dafür könne, sie habe alles richtig gemacht. Er sei stolz auf sie. Er küsste sie und nahm sie erneut in seine Arme.
    
    Was ihren Traum anging, würden sie sich später darüber unterhalten, aber auch das sei nichts, wofür sie sich Vorwürfe machen müsse. Ihr Unterbewusstsein ließe sich nicht steuern. Dann fragte er sie, ob sie ihn anzeigen möchte, denn es war eine versuchte Vergewaltigung. Doch Funda sagte ihm, dass sie es ihrer Schwester nicht antun möchte. Ali sagte erst einmal nichts weiter dazu. Sie gingen schlafen. Funda ließ sich in seine Arme nehmen und fühlte sich dort vollkommen sicher.
    
    Ein Samstag Morgen
    
    Samstagmorgen. Funda erwachte mit einem leisen Lächeln. Neben sich auf dem Nachttisch fand sie einen Zettel von Ali, seine Handschrift war ihr so vertraut, dass allein der Anblick ihr Herz erwärmte:
    
    "Mach Dich bitte fertig, wir fahren zum Frühstücken heute ins Atlantikhotel, danach gehen wir eine Alsterrundfahrt machen und nachmittags gehen wir ein schönes Eis bei Fillipi essen. Liebe Dich Ali."
    
    Ihr Lächeln wurde breiter. Er war also ...
    ... laufen. Eine Welle der Erleichterung durchfuhr sie. Gut, dass er sich dort auspowerte, dachte sie, statt sich bei Rolf "auszutoben", wie sie es in ihrem Innersten formulierte.
    
    Sie spürte, dass Ali seine Wut und Frustration im Sport kanalisierte, und das war ihr tausendmal lieber, als wenn er sich von seinen Impulsen leiten ließe. Wie sie sich irrte.
    
    Der Zorn des Boxers
    
    Genau in diesem Moment, als Funda den Zettel las, klingelte Ali stürmisch bei seinem Schwager. Sein Atem ging schwer, nicht nur vom Laufen, sondern von der glühenden Wut, die in ihm kochte.
    
    Er hatte die ganze Nacht kaum geschlafen, der Gedanke an Rolfs Übergriff auf Funda hatte ihn um den Schlaf gebracht. Jeder Schritt auf dem Asphalt, jeder Schlag, den er beim Boxen imaginiert hatte, war auf Rolf gemünzt gewesen.
    
    Handan, noch verschlafen, öffnete die Tür, einen Kimono locker übergeworfen, und fragte Ali freundlich, aber auch ein wenig verwirrt, was denn los sei. Ali ignorierte ihre Frage, stürmte an ihr vorbei und forderte mit fester Stimme zu wissen, wo Rolf sei.
    
    Rolf kam gerade in kurzen Hosen aus dem Flur, wahrscheinlich auf dem Weg ins Bad. Sein Gesichtsausdruck verriet ein erschrockenes Ahnen, eine plötzliche, unangenehme Erkenntnis, wohin das Ganze führte.
    
    Seine Pupillen weiteten sich, als er Alis starren Blick und die Anspannung in seinem Körper sah. Ehe Rolf auch nur einen Gedanken fassen oder ein Wort sagen konnte, traf ihn ein direkter Fausthieb auf die Nase.
    
    Der Schlag saß, ein ...
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