1. Jeder geht sein Weg


    Datum: 06.05.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... dumpfes Geräusch erfüllte den Flur. Sofort spritzte Blut aus Rolfs Nase, ein schockierender roter Fleck auf seiner hellen Kleidung. Ali, als Jugendlicher dreimal Hamburger Meister im Boxen, wusste genau, was er tat.
    
    Jeder Schlag war präzise, kontrolliert, aber voller vernichtender Kraft. Er wollte Rolf nicht töten, aber er wollte, dass er verstand.
    
    Der nächste Schlag traf Rolf im Solarplexus. Es war ein gezielter, harter Stoß, der ihm jegliche Luft aus den Lungen presste. Rolf rang nach Atem, seine Augen weiteten sich vor Schmerz und Panik.
    
    Er sackte förmlich zusammen, wie ein Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte, seine Beine gaben nach, und er krümmte sich auf dem Boden. Handan war total erschrocken, ihre Hände flogen zu ihrem Mund.
    
    Sie konnte das alles nicht begreifen, ihr Gehirn weigerte sich, die brutale Realität vor ihren Augen zu verarbeiten.
    
    Ali drehte sich zu Handan um. Seine Atmung war immer noch schwer, aber seine Stimme war erstaunlich ruhig, beinahe kühl. Er bat sie sich zu setzen, was Handan mechanisch tat, ihre Beine gehorchten ihr, obwohl ihr Kopf immer noch im Nebel des Schocks hing.
    
    Dann erzählte er ihr in aller Seelenruhe, mit einer Präzision, die seine innere Ruhe vortäuschte, was Rolf gestern bei Funda versucht hatte. Handan starrte ihn nur an, sprachlos. Ihr Blick wechselte zwischen Ali und dem röchelnden Rolf auf dem Boden.
    
    Sie wusste nicht, was sie dazu sagen sollte, welche Worte diese Szene beschreiben oder ...
    ... erklären könnten. Ali holte einen Stuhl aus ihrer Küche, seine Bewegungen waren entschlossen. Er hob den noch immer vollkommen verwirrten Rolf mit einer Kraft auf die Füße, die Rolfs Schmerz nur noch verstärkte, und setzte ihn grob auf den Stuhl.
    
    Dann befahl er ihm, Handan alles zu erzählen. Seine Stimme war nun tiefer, drohender. Andernfalls, so seine unmissverständliche Ansage, würde er weitermachen. Die Drohung wirkte.
    
    Rolfs Blick huschte zwischen Ali und Handan hin und her. Die Angst, die ihn ergriff, war neu für ihn, eine kalte Kralle, die sich um sein Herz legte.
    
    Rolf begann zu erzählen, stockend, mit Tränen in den Augen. Doch mitten im Satz, in einem Anflug von alter Gewohnheit oder einfach nur Dummheit, versuchte er, die Schuld abzuwälzen.
    
    Er meinte, dass Handan an allem schuld sei, weil sie ihm einfach keinen Sex mehr zugelassen habe. In diesem Moment explodierte Ali erneut. Er reagierte instinktiv, ohne zu zögern.
    
    Dafür bekam Rolf eine weitere, noch heftigere Ohrfeige von Ali, die ihn mit dem Gesicht nach unten vom Stuhl fegte und auf dem Boden liegen ließ. Ali, nun außer sich vor Wut, schrie ihn an, dass er aufstehen und endlich wie ein Mann zu seiner Scheiße stehen solle.
    
    Die Worte hallten in dem sonst so stillen Haus wider.
    
    Rolf drückte sich langsam und zitternd wieder hoch, sein Körper schmerzte von den Schlägen, seine Seele von der Demütigung. Er setzte sich wieder auf den Stuhl, man sah ihm an, dass er richtig Angst bekam.
    
    Es war eine tiefe, ...
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