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Jeder geht sein Weg
Datum: 06.05.2026, Kategorien: Sonstige,
... existenzielle Angst, die er in seinem privilegierten Leben noch nie zuvor gespürt hatte. Und das war in diesem Augenblick auch gerechtfertigt, denn mit seiner Dummheit, seiner dreisten Schuldzuweisung, trieb er Ali gegen sich immer mehr auf. Rolf erzählte dann alles, was vorgefallen war. Jedes Detail, jede Annahme, jede seiner widerlichen Gedanken. Handan wurde immer stiller, ihr anfänglicher Schock wich einer eisigen Erkenntnis. Sie guckte ihren Mann an, als ob sie ihn zum ersten Mal richtig sehen würde. Das Bild des charmanten, erfolgreichen Mannes, den sie geheiratet hatte, zerbrach vor ihren Augen. Es war ein Fremder, ein egoistisches Monster, das sie nie wirklich gekannt hatte. Als Rolf sagte, dass er nicht wusste, warum Funda nicht mit ihm schlafen wollte, aber es ihm deutlich mit einem Baseballschläger gezeigt hatte, riss Handans Beherrschung endgültig. Eine Welle der Wut und des Ekels ergriff sie. Sie stürmte auf ihn zu, ihre Augen flammten. Sie gab ihm ebenfalls ein paar Ohrfeigen, ihre Schläge waren nicht so kräftig wie Alis, aber sie trugen die Wucht ihres gebrochenen Herzens. Sie wollte sich auf ihn stürzen, ihn schlagen, kratzen, aber Ali hielt sie fest, seine Arme umschlossen sie fest, um sie zu schützen - und um Rolf vor weiteren Verletzungen zu bewahren. Handan fing an zu weinen, ihre Schultern zuckten. Sie ließ sich von Ali auf das Sofa setzen, ihre Tränen flossen unkontrolliert. Ali fragte Rolf mit einer Stimme, die so ruhig war, dass ...
... sie beinahe unheimlich wirkte: "Was soll ich jetzt mit dir machen?" Rolf bekam Panik. Seine Lippen zitterten, seine Hände klammerten sich an die Armlehnen des Stuhls. Er hatte zum ersten Mal in seinem Leben richtig Angst, Angst um sein Leben. Dies war von Ali auch gewollt, aber er hatte als alter Boxer nie wirklich seine Kontrolle verloren. Er wollte Rolf Angst einjagen, ihm die Konsequenzen seiner Taten drastisch vor Augen führen, aber er würde seine Grenzen nicht überschreiten. Ali sagte ihm, die einzige Chance, die er hätte, wäre, wenn er sich der Polizei stellen würde mit einer Selbstanzeige wegen versuchter Vergewaltigung. Zudem würde Handan sich von ihm trennen, sich scheiden lassen, und er dürfte keinerlei Ansprüche stellen. Er müsste alles unterschreiben, was dazu nötig war. Rolf, völlig gebrochen, sagte zu allem Ja. Ali fragte ihn eiskalt, ob er sich ganz sicher wäre, denn wenn er sich nicht daran hält... Der Blick von Rolf zeigte, dass er sehr wohl verstanden hatte. Die Drohung stand unausgesprochen im Raum, schwer und real. Fünf Monate später: Die Nachwirkungen eines Albtraums Fünf Monate später hatte das Leben für alle Beteiligten neue, unerwartete Wege eingeschlagen. Funda hatte psychologische Hilfe in Anspruch genommen, um den Vorfall verarbeiten zu können. Die ersten Wochen waren schwer gewesen, der Schock saß tief. Doch mit jeder Therapiesitzung, mit jeder Stunde, in der sie über ihre Gefühle sprach, fühlte sie sich leichter. Die Unterstützung ...