1. Lynette sieht Schwarz


    Datum: 09.05.2026, Kategorien: Verschiedene Rassen

    ... darauf bestanden hatte, nur sie mit diesem Auftrag betrauen zu wollen. Deshalb freute sie sich über diesen Vertrauensvorschuss, da es sich bei Mr. Jawara nicht um irgendwen, sondern um einen ihrer besten Kunden handelte.
    
    Der besagte Herr stammte vom schwarzen Kontinent, genauer gesagt aus Gambia, und machte sein Geld mit dem An- und Verkauf von auf dem Markt befindlichen Kunstgegenständen, vorwiegend aus dem afrikanischen Raum.
    
    Dieses Geschäft schien sehr einträglich und lukrativ zu sein, denn die schöne Villa und der große Garten zeigten ihr, dass Mr. Jawara durchaus gut zu leben verstand. Obwohl sie ein wenig darüber rätselte, warum es diesen Mann von der tropischen Westküste Afrikas gerade hierher in den kühlen Norden Europas verschlagen hatte. Das zweite Klingeln war kaum verhallt, als sich die Tür öffnete. Vor ihr stand Mr. Jawara höchst persönlich. Darüber war sie ein wenig überrascht, denn sie hatte eigentlich jemanden vom Personal erwartet. Doch Lynette erkannte ihren Auftraggeber sofort, denn sie hatte den attraktiven Endvierziger bereits einige Male bei ihnen im Büro gesehen.
    
    Als sie ihm jetzt so gegenüberstand war sie wieder froh, so hohe Hacken zu tragen, denn ihr Gegenüber war ein baumlanger Kerl. Für einen Mann seines Formats war er jedoch überaus salopp gekleidet, denn er trug nur eine graue Jogginghose und ein weit ausgeschnittenes T-Shirt. Er wirkte auf sie, als ob er gerade vom Sport käme und keine Zeit gehabt hätte, um sich etwas anderes ...
    ... anzuziehen.
    
    Lynette schluckte etwas. Sie hatte sich natürlich hübsch angezogen und sah mit ihrem weißen figurbetonten Blazer, der hellblauen Bluse und dem knielangen geblümten Bleistiftrock sehr adrett aus. Freilich konnte sie Mr. Jawara keine Kleidungsvorschriften machen, obwohl sie es angemessen gefunden hätte, wenn er etwas anderes tragen würde. Aber er war der Kunde und es ging schließlich nicht um den Dresscode, sondern einzig und allein um den Auftrag.
    
    So standen sie sich also musternd gegenüber und die äußerlichen Unterschiede konnten nicht gegensätzlicher sein. Hier war sie, ein typisches Kind des Nordens, hochgewachsen und hellblond, mit bleicher, sonnenempfindlicher Haut und dort war er, der Sohn stolzen Afrikas, mächtig wie ein Affenbrotbaum, dunkel und geheimnisvoll, mit starkem Körper.
    
    "Hello, Miss Hendricksen!", brach er freundlich das Schweigen. "Nice to meet you!"
    
    Gleich darauf schüttelte ihr Mr. Jawara lächelnd die Hand und bat sie ins Haus. Lynette folgte ihm nach und genoss dort die angenehme Kühle, denn draußen war es für Mitte Mai ungewohnt warm.
    
    "Coffee, Tea, Orange Juice?", rief er über die Schulter.
    
    Lynette hörte nur mit halbem Ohr zu, denn sie war hingerissen von der Einrichtung der Villa. Altes Meißner Porzellan, edle Tropenhölzer und kostbare Wandteppiche, wohin sie blickte. Es schien, als ob die Zeit hier Anfang des 20. Jahrhunderts stehengeblieben wäre, denn Mr. Jawara hatte nichts verändert.
    
    "Oh, a glass of water, please", gab sie ...
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