-
Tanz mit dem weißen Ritter
Datum: 17.06.2026, Kategorien: Romantisch
... zu, in ihrem Schlepptau eine Frau, die ich bisher nicht gesehen hatte. Als sie von der Braut auf den freien Platz geschoben wurde, stockte mir der Atem. Denn diese Dame war eine Augenweide. Auf dem Standesamt war sie mit Sicherheit nicht gewesen, denn sie wäre mir auffallen. Die Braut stellte sie lachend vor: "Liebe Freunde, das hier ist Brunhilde, eine meiner besten Freundinnen. Bitte seid nett zu Bruni, auch wenn sie manchmal etwas zurückhaltend und distanziert wirkt, ok?" Brunhilde, Spitzname Bruni, schaute mit einem gequälten Lächeln in die Runde und nickte zur Begrüßung leicht. Kurz hatte ich das Gefühl, dass sie mich einen Augenblick länger musterte als die anderen, aber das war reines Wunschdenken. Die Braut verschwand wieder. Sie hatte mich gar nicht bemerkt, ich hatte keinen Blick von ihr aufgefangen. Mir war klar, sie wusste nichts von meinem Hochzeitsgeschenk. Das Geschenk war eine Schnapsidee von Jochen. Wie sagte er immer? "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert." Ich musterte Bruni genauer. Ich fand sie attraktiv. Mit ihrer Größe von knapp 1,80 Meter überragte sie die meisten anderen Frauen. Sie trug eine modische Kurzhaarfrisur, die dunkel gerahmte Brille passte farblich gut zu ihren schwarzen Haaren. Ihre Augen waren strahlend blau. Sie war schlank, fast schon dünn. Sie trug einen eleganten schwarzen Hosenanzug, darunter eine weiße Bluse. Auffällig war, dass sie keinen Schmuck trug. Keinen Ring, kein Armband, nichts um den Hals, keine Ohrringe. ...
... Eine Männeruhr zierte ihr Handgelenk. Sie musste etwa im Alter der Braut sein, das dezente Make-up versuchte nicht, die Lebenserfahrung zu verbergen. Die Hände waren gepflegt, die Fingernägel entweder farblos oder gar nicht lackiert. Sie hatte eine natürliche Ausstrahlung. War es Dominanz? War es Arroganz? Überheblichkeit? Ich hatte das Gefühl, dass sie wusste, wie sie auf Männer wirkte. Ich erinnerte mich, was die Braut gesagt hatte. Ja, das war es, Bruni wirkte distanziert. Ich seufzte innerlich. Ein Rasseweib, leider nicht meine Kragenweite. Mal wieder eine Frau, die ich mich nicht anzusprechen traute. Normalerweise nicht. Heute würde ich einen Versuch wagen müssen. Aber noch war ja Zeit. Denn jetzt gab es immer in den Pausen des 5-Gänge-Menüs einen offiziellen Part. Nach dem Amuse-Gueule begrüßten Jochen und seine Sybille alle Gäste, einzeln und namentlich. Ich erfuhr, dass Bruni und Sybille zusammen in die Grundschule gegangen waren. Meine Altersschätzung war richtig gewesen. Ende 30. Und Bruni war Biologin. Mehr erfuhr ich nicht. Von mir erfuhr man, dass ich Jongleur sei und ein Jahrzehnt mit Jochen in einer Abteilung gearbeitet hatte. Diese kleinen Hinweise zu den Personen waren eine gute Idee, wirkten sie doch im Folgenden als gesprächsfördernd. Nach dem Brunnenkressesüppchen die Rede des Brautvaters, rührend und den Bräutigam betreffend wohlwollend. Direkt danach der Vater des Bräutigams. Es wurde deutlich, dass sich die Schwiegereltern untereinander mochten, ...